Färöer. Das färöische Parlament beschloss gestern mehrheitlich die Projektierung und Ausschreibung des Suðuroy-Tunnels – aber die Koalition ist darüber zerbrochen. Regierungschef Aksel V. Johannesen erklärte, es gebe kein Vertrauen mehr innerhalb der Koalition, und er rief vorzeitige Neuwahlen für den 26. März aus. Eigentlich wäre eine Wahl erst im Dezember wieder fällig gewesen. Darüber berichtete KVF.
Der Sozialdemokrat Aksel V. Johannesen (Javnaðarflokkurin) und seine Fraktion (9 Sitze) regierten zusammen mit den linken Tjóðveldi (6 Sitze) und den liberalen Framsókn (3 Sitze). Der Suðuroy-Tunnel war in der Koalition höchst umstritten, ebenso die von Framsókn geforderte Erhöhung des Rentenalters. Beides stand gestern auf der Tagesordnung, der Tunnel zuerst. Dabei handelt es sich um ein technisch wie finanziell ambitioniertes Projekt: Er soll die Inseln Sandoy und Suðuroy verbinden. Durch diesen könnten auch die Einwohner der etwas abseits liegenden Insel Suðuroy schneller, einfacher und wetterunabhängiger in die Hauptstadtregion fahren als jetzt per Schiff. Erst vor zwei Jahren wurde der knapp elf Kilometer lange Tunnel von der Hauptstadt-Insel Streymoy nach Sandoy fertiggestellt. Der Suðuroy-Tunnel müsste aber 23 Kilometer lang werden, fast so lang wie der norwegische Lærdal-Tunnel, aktuell der längste Straßentunnel der Welt.
Koalition war sich beim Thema Suðuroy-Tunnel nicht einig
Beim Thema Suðuroy-Tunnel war sich die Koalition wegen seiner Kosten und auch aufgrund der vorgesehenen Streckenführung nicht einig. Allerdings gab es Befürworter bei der Opposition. Bei der dritten und damit endgültigen Abstimmung dazu gestern gab es 26 Stimmen dafür und sieben Gegenstimmen. Ein Teil der Opposition hatte für die Tunnel-Ausschreibung gestimmt, aber je zwei Mitglieder der Regierungsparteien Tjóðveldi und Framsókn dagegen.
Ankündigung von Neuwahlen nach der Abstimmung
Nach der Tunnel-Abstimmung stand das Thema Rentenalter auf der Tagesordnung, das Framsókn wichtig gewesen war. Dazu kam es dann aber nicht mehr, weil Aksel V. Johannesen die Neuwahlen ausrief.
Vorzeitige Neuwahlen sind auf den Färöern nicht ungewöhnlich: Die vorherige färöische Regierung hatte ebenfalls nicht die komplette Wahlperiode durchgehalten.
Tunnel gegen Abwanderung von den Inseln
Die Färöer verfügern bereits über vier Unterseetunnel und noch viel mehr Tunnel durch Berge. Diese ermöglichen es unter anderem, einfacher auf andere Inseln zur Arbeit zu pendeln. Auf diese Weise soll die Abwanderung von den entfernteren Inseln gestoppt werden.
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