Barents Hockey League – Eishockey spielen für den Frieden

Norwegen/Finnland/Russland. Die Barents Hockey League ist die nördlichste Amateur-Eishockeyliga der Welt. Bevor Corona sie lahmlegte, spielten dort vier russische Teams, ein Club aus Ivalo, Finnland und die Kirkenes Puckers, Norwegen. Letztere sind nun Star der NRK-Doku-Serie Puckers, in der es um Großmächte, Friedenspolitik und Eishockey geht.

Kirkenes Puckers

Screenshot aus dem Vorspann der NRK-Doku-Serie Puckers

Wenn die finnischen und russischen Spieler zum Match nach Kirkenes kommen, erwartet sie dort eine Open-Air-Anlage, wo das Eis von den Spielern selbst gepflegt wird. Die Maschine dazu haben sie günstig aus Ivalo erworben, den Ansprüchen der Finnen genügte sie nicht mehr – und die haben auch eine Eishalle, genau wie die Teams aus Olenogorsk oder Murmansk. Die nächste Eishalle in Norwegen ist in Tromsø – von Kirkenes über die Straße 800 Kilometer entfernt. Es ist schwer, Leute unter diesen Bedingungen für Eishockey zu gewinnen, und von einem Liga-Gewinn können die Kirkenes Puckers nur träumen. Doch in Kirkenes ist man den Eishockeynationen Russland und Finnland näher als dem Holmenkollen.  Ein zugezogener Russe mit norwegischen Vorfahren und ein zugezogener Finne gehören zu denen, die die Flamme der Eishockeybegeisterung in Kirkenes pflegen – und eine aus Südnorwegen zugezogene ehemalige Spielerin der Damen-Nationalmannschaft. Sie hoffen, dass der Club mit der Serie so prominent wird, dass man ihm eine Eishalle gönnt. 

Friedensprojekt in angespannten Zeiten

Kirkenes

Die Werft von Kirkenes repariert auch viele russische Fischkutter.

Die Barents Hockey League ist ein Projekt, das vom norwegischen Barentssekretariat gesponsert wird.  Sie wurde 2008 gegründet und sollte die Begegnung der Menschen in der Barentsregion ermöglichen, wie andere Projekte der Barents-Zusammenarbeit auch. Die politischen Verhältnisse haben sich seitdem bekanntlich geändert: Russland hat im Norden aufgerüstet, Norwegen stellt sich immer deutlicher auf die NATO-Seite und die NATO ist im hohen Norden so präsent wie nie zuvor. In der Grenzstadt Kirkenes hält man die Zusammenarbeit mit dem östlichen Nachbarn aufrecht, so gut es geht – dort hat man aufgrund der Vergangenheit ohnehin ein anderes Verhältnis zu Russland. Doch die gewachsenen Spannungen begrenzen auch das Eishockey, wie die Doku zeigt: So spielen die jungen Soldaten aus der nahen Garnison nicht mehr mit, um Probleme durch eine Russlandreise zu vermeiden. Es wird schwer, überhaupt genügend Spieler für ein Match aufzutreiben.

Die fünfteilige NRK-Serie Puckers ist über das Internet aktuell ohne Geoblocking zu sehen. Alle Dialoge (norwegisch, russisch, finnisch) sind norwegisch untertitelt. Sie bietet Bilder aus dem norwegisch-finnisch-russischen Dreiländereck, Einblick in die Geschichte dieser Region  und natürlich viel grenzüberschreitende Leidenschaft für Eishockey.

Frühere Artikel zu Kirkenes:

Barents Spektakel: Kirkenes als Chinatown

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