Nordlandsbanen: Extrem viel Schnee – extrem viele Rentierunfälle

Norwegen. Das Jahr 2020 war bisher wohl für niemanden richtig gut. Nordnorwegische Rentierhalter haben neben der Coronakrise auch noch mit einer Futterkrise zu kämpfen, da es in diesem Winter extrem viel geschneit hat. Das lässt sich noch steigern: Die ausklingende Wintersaison war auch ein schlimmes Jahr für Rentierunfälle an der Nordlandsbahn mit insgesamt 457 toten Tieren. Darüber berichtete NRK.

Nordlandsbanen

Nordlandsbanen, nördlicher Teil. Karte sel/stepmap

Es gibt bisher nur eine wirklich funktionierende Methode, Bahnunfälle mit Rentieren oder Elchen zu verhindern: Zäune. Bane Nor, zuständig für das norwegische Schienennetz, hatte im Herbst 2019 endlich 26 Kilometer neuen Zaun für 43 Millionen norwegische Kronen fertig an einer Stelle, die 2017 Schlagzeilen machte – südlich von Mosjøen starben innerhalb einer Woche 126 Rentiere auf den Gleisen. Ein bestehender Zaun bei Sefrivatnet wurde verlängert. Doch die Bahnstrecke ist lang. Sie passiert mehrere Winterweidegebiete und führt über das Saltfjell, das sowohl von norwegischen als auch von schwedischen Rentieren genutzt wird. Und der ausklingende Winter war besonders schneereich, wovon auch die Nordlandsbahn ein Lied singen kann: Zwei Mal stoppte der Zugverkehr, weil die Bahn in Schneewehen stecken geblieben war und erst ausgegraben werden musste.

Rentiere zieht es bei Tiefschnee auf die Schienen

Güterzug Saltfjellet

Ein Güterzug blieb Anfang April zwischen Bolna und Lønsdal stecken und musste erst ausgegraben werden. Foto Bane Nor

Bei dem Tiefschnee von einem Meter hätten die Tiere Schwierigkeiten gehabt, an ihr Futter zu kommen. Sie hätten bessere Plätze gesucht – und auf den Gleisen sei es leichter gewesen, voranzukommen, erklärte ein Rentierhalter das Problem des ausklingenden Winters. Andere seien möglicherweise vor Raubtieren dorthin geflüchtet und hätten es in ungünstigem Terrain nicht wieder zurück geschafft. 322 Rentiere starben nach der Statistik von NRK allein in den ersten drei Monaten 2020 zwischen Steinkjer und Bodø. Im Vorjahr waren es zur selben Zeit nur 123. Vom 1. Oktober bis zum 31. März waren es insgesamt 457 Rentiere und und 194 Elche. Im gleichen Zeitraum 2018/2019 waren es nur 195 Rentiere, aber 226 Elche. Weil sie durch so belebtes Gebiet führt, ist Nordlandsbanen die unfallträchtigste in ganz Norwegen in Bezug auf Tiere. Mehr als 3000 Tiere wurden dort laut NRK in den vergangenen fünf Jahren überfahren.

Der Traum vom sicheren Saltfjell

Rentierhalter träumen von einem Zaun entlang der Strecke über das Saltfjell. Dies wäre ein riesiges Projekt. Dort müssten zudem mehrere Übergänge für Wildtiere geschaffen werden. Weiter südlich bieten die vielen Bahntunnel die Möglichkeit, die Gleise zu kreuzen. Bisher gibt es einen Zaun auf einem Abschnitte an der Nordseite des Saltfjells. Dieser, das ist bereits fest geplant, soll im Herbst um 16 Kilometer verstärkt werden.

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