KV Svalbard: Erstes norwegisches Schiff am Nordpol

Arktis. Roald Amundsen flog 1926 mit dem Luftschiff Norge über den Nordpol. Nun hat es auch das erste Schiff aus Norge auf dem Wasserweg dorthin geschafft: Gestern Vormittag 9.32 Uhr meldete die KV Svalbard die Ankunft auf 90 Grad Nord – schneller als erwartet dank vergleichsweise dünnen Eises.

Kapitän Geir-Magne Leinebø (links) und Andreas Kjøl von Kystverket am Nordpol. Foto KV Svalbard

Von Longyearbyen aus dauerte es sieben Tage und 1400 Seemeilen, heißt es in einer Pressemitteilung. Gewählt wurde eine Route entlang des 60. Längengrades mit Start ins Eis nördlich von Franz-Josef-Land, da man sich dort leichtere Bedingungen erwartete.  Das Küstenwachschiff Svalbard ist als Eisbrecher eher klein: 103,7 Meter lang und 6375 Tonnen Verdrängung. Küstenwachchef  Ottar Haugen sagte zum norwegischen Sender TV 2 , es sei viel schneller gegangen als erwartet. Man sei sich durchaus klar gewesen darüber, dass es auch nicht hätte klappen können. Anfangs habe man auch die Rinne eines russischen Eisbrechers nutzen können – vermutlich die der 50 Let Pobedy. Im Eis war das Schiff dreieinhalb Tage unterwegs.

Die Expedition gehört zum Projekt CAATEX (Coordinated Arctic Acoustic Thermometry Experiment) des Nansen -Zentrums in Bergen. Ziel ist es, Daten aus der Arktis zu sammeln. Unter anderem wurde am Nordpol eine Boje ausgesetzt, die dann mit dem Eis driften und messen soll. An Bord ist außerdem ein Vertreter der Küstenschutzbehörde (Kystverket) als Ratgeber, der auch einige Tests im Eis ausführen will.

Vergleichsweise dünnes Eis auf dem Weg zum Pol

Dass die KV Svalbard auf ihrem Weg zum Pol vergleichsweise leichtes Spiel hatte, zeigt sich auch auf der Eiskarte des dänischen Polarportal: Die Satellitenmessung zeigt zwischen Franz-Josef-Land und dem Nordpol fast nirgends mehr als einen Meter. Vergleichsweise dick ist es noch zwischen der kanadischen und der grönländischen Nordküste und dem Pol sowie am Pol selbst.

Dicke des Meereises im Polargebiet am 20. August. Quelle Polarportal.dk/ DMI

Die Schmelzsaison in der Arktis dauert auch noch an, auch wenn die Sonne dort nun nicht mehr so hoch steht. Polarportal und NSIDC verfolgen auch die Ausdehnung des Eises. Bei beiden liegt die Kurve nun schon längere Zeit nahe der von 2012, dem niedrigsten bisher gemessenen Wert.

Der schwedische Eisbrecher Oden, der im Sommer 2018 am Nordpol war, befindet sich gerade nördlich von Grönland mit einer schwedisch-amerikanischen Besatzung, die den Ryder-Gletscher vermisst. Und die deutsche Polarstern bereitet sich auf die Expedition Mosaic vor, die demnächst starten soll. Über Tromsø geht es in die Nordostpassage, östlich von Sewernaja Semlja  dann ins Eis. Wie Nansen vor 125 Jahren. Dessen Fram traf den Nordpol nicht ganz bei seiner Eisdrift – sonst wäre sie das erste Schiff überhaupt dort gewesen.

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