Kehrtwendung in Grönland: Alle zurück – und dann wird dichtgemacht

Grönland. Nicht zu viele Rückkehrer auf einmal nach Grönland – das war nach Neujahr die Haltung der grönländischen Regierung. Nun hat sie eine Kehrtwendung gemacht: Alle, die auf Grönland leben oder arbeiten, sollen schnellstmöglich auf die Insel zurückkehren – und dann wird dicht gemacht. Ursache ist die Furcht davor, die neue Virusmutation B.1.1.7 eingeschleppt zu bekommen.

Air Greenland

Flughafen Kangerlussuaq. Foto Thomas Christiansen

Zur Weihnachtsfeier mit der Familie waren zahlreiche in Dänemark lebende Grönländer auf die Insel geflogen. Das resultierte in acht neuen Coronafällen, die inzwischen alle wieder gesund sind. Aktuell ist nur noch ein aktiver Coronafall registriert. Dabei handelt es sich vermutlich um eine aus Dänemark eingereiste Person, die eigentlich im Gesundheitssektor arbeiten sollte. Für diese und einige andere gab es bisher Ausnahmen von den Quarantänevorschriften. Sämtliche Ausnahmegenehmigungen seien daraufhin zurückgezogen worden, meldete Sermitsiaq.

Rund 1000 auf Grönland gemeldete Personen waren über die Weihnachtsfeiertage nach Dänemark gereist und strandeten dort zunächst. Denn die grönländische Regierung wollte bis zum 12. Januar nur in Ausnahmefällen Rückflüge zulassen, aus Sorge davor, diese könnten das Virus mitbringen.

Virusmutation B.1.1.7 verbreitet sich in Dänemark

Inzwischen ist allerdings bekannt, dass sich die neue, vermutlich ansteckendere Virusmutation B.1.1.7 aus Großbritannien in Dänemark verbreitet. 134 Fälle wurden bisher identifiziert, meldet Statens Serum Institut. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, aber Dänemark sequenziert vergleichsweise viele Proben auf der Suche nach dieser Variante – etwa 13 Prozent der Proben aus den vergangenen Wochen wurden komplett untersucht.

Einreisen im Februar nur mit Genehmigung möglich

Deshalb hat der Coronastab der grönländischen Regierung nun seine Taktik geändert: Alle sollen möglichst schnell zurückkommen – bevor sie sich ausgerechnet diese Virusvariante einfangen und mit nach Grönland bringen. Bis zum 22. Januar wird es deshalb mehr Flüge geben als geplant. Ins Flugzeug kommt man nur mit negativem Coronatest, in Grönland sind fünf Tage Quarantäne und ein weiterer Test Pflicht. Den Rest des Monats und den ganzen Februar durch wird es dann gar keine regulären Passagierflüge mehr geben. Die Einreise ist nur noch für genehmigte Ausnahmen möglich.

Impfungen haben begonnen

Grönlands Gesundheitswesen leidet schon zu normalen Zeiten an Personalmangel, der nur mit Aushilfen aus Dänemark und anderen skandinavischen Ländern aufgefangen wird. Würde es einen Ausbruch mit mehreren schwer Kranken geben wie in anderen Ländern, wären die Kapazitäten schnell am Ende. Bisher ist es gelungen, dies zu vermeiden. Insgesamt hatte Grönland 29 Coronainfizierte. Die Impfungen dort haben bereits begonnen. Die erste Spritze bekam eine 79-jährige Bewohnerin eines Seniorenheims in Nuuk, wie Sermitsiaq berichtet.

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