Wird Snus-Verkauf in Finnland wieder legal?

Finnland. Soll Snus in Finnland wieder legal verkauft werden dürfen? Bei einer Umfrage von Yle sprachen sich mehr Parteienvertreter als früher dafür aus, und zwar aus allen Parteien. Der Grund: Der Snus-Schmuggel aus Schweden lässt sich nicht stoppen.

Snus

In Haparanda muss man nicht lange nach einem Snushändler suchen – es gibt genug.

Snus, finnisch Nuuska, ist ein Tabakprodukt, das am Zahnfleisch platziert wird. Während Tabak rauchen die Lungen schädigt, die Umgebung nervt und in den nordischen Ländern an vielen Orten gar nicht mehr erlaubt ist, ruiniert Snus „nur“ das Zahnfleisch des Anwenders und macht ihn nikotinabhängig. Snus in der Schwangerschaft schadet außerdem dem Baby.

Innerhalb der EU ist die Produktion und der Verkauf von Snus nur in einem einzigen Land erlaubt: Schweden handelte beim EU-Beitritt eine Sonderregelung für sich aus. Dort ist die Snus-Anwendung traditionell verbreitet, dort sitzen die Produzenten und entsprechend eine starke Lobby. Nach Finnland darf Snus zwar in begrenzter Menge für den persönlichen Bedarf (1000 Gramm) eingeführt, aber nicht verkauft werden.

Grenze Schweden-Finnland kein Hindernis

Die Grenze zwischen Schweden und Finnland ist kein wirkliches Hindernis für jene, die nicht nur für sich selbst Snus aus Schweden mitbringen. Insbesondere im Norden, wo es nur Brücken zu überschreiten gilt, ist es einfach. An der Schengen-Innengrenze gibt es keine Kontrollen mehr.

Gelegentlich fliegen Schmuggelringe allerdings doch auf und lassen ahnen, dass da noch viel mehr passiert. Zurzeit ermittelt der Zoll in einem Fall, bei dem insgesamt 2200 Kilogramm Snus bei rund 30 verschiedenen Touren in Nordschweden eingekauft und vor allem in der Region Helsinki weiterverkauft wurde. Es gab aber auch schon deutlich größere Fänge.

Die jüngste Umfrage zum Genussmittel-Konsum von Jugendlichen zeigt, dass junge Menschen wieder zunehmend Snus nutzen. Inzwischen sind es sechs Prozent der Mädchen zwischen 16 und 18 sowie 15 Prozent der Jungen im selben Alter.

Steuereinnahmen statt Verbot

Die frühere Regierung hatte noch eine stärkere Einschränkung des persönlichen Bedarfs geplant. Im neuen Parlament  scheint eine andere Haltung zu herrschen – zumindest nach den Aussagen, die bei der Umfrage von Yle gemacht wurden. Zwar gilt Snus nach wie vor als etwas, was man eigentlich ablehnt, ein Verbot sei aber nicht der richtige Weg und funktioniere auch nicht. Eine Vertreterin der mitregierenden Linkspartei kündigte einen Antrag an, der Verhandlungen mit der EU zum legalen Import und Verkauf vorsieht. Dann könne der finnische Staat das Produkt immerhin besteuern. Gleichzeitig soll eine bessere Beratung zu den Folgen angeboten werden.

Das Steuerargument sehen auch Vertreter andere Parteien: Warum soll nur Schweden daran verdienen? Wie groß das Geschäft mit dem Snus ist, sieht man beispielsweise in Haparanda: Von den 8000 Einwohner diese nordschwedischen Kommune an der Grenze zu Finnland könnten die vielen Snus-Händler dort nicht leben. Eine Untersuchung von 2013 soll gezeigt haben, dass Finnland 40 Millionen Euro Steuern hätte einnehmen können, wenn Snus dort legal verkauft worden wäre. Schwierig zu vermitteln ist auch, dass das Tabakprodukt Snus verboten, das erwiesenermaßen schädlichere Tabakprodukt Zigarette aber erlaubt ist.

Früherer Artikel zum Thema:

Die schwedisch-finnische „snus“- Verbindung

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