Vogelgrippe: Pelztierfarmer erhalten Entschädigung

Finnland. Das Jahr 2023 war für die finnische Pelztierbrache ein weiteres schwieriges Jahr. Diesmal war die Vogelgrippe das Problem. Auf 72 Farmen waren sämtliche Tiere getötet worden, nachdem dort Fälle von Vogelgrippe nachgewiesen worden waren. Jetzt sollen sie zumindest eine Entschädigung erhalten, insgesamt gut 50 Millionen Euro. Darüber berichtete Yle. Eine Bürgerinitiative würde diesen Wirtschaftszweig gerne komplett beenden und hatte auch innerhalb kürzester Zeit ausreichend Unterschriften bekommen.

Nerz

Nerz. Foto Skeeze/Pixabay

Im vergangenen Jahr waren es zunächst nur die Wildvögel, die an Vogelgrippe erkrankten und starben. Dann infizierten sich wilde Füchse und Füchse auf Pelztierfarmen, später auch Nerze. Als die ersten Mutationen entdeckt wurden, zog die finnische Lebensmittelbehörde Konsequenzen: Auf einer Farm mit infizierten Tieren mussten sämtliche Nerze, je nach Situation auch die anderen Pelzzuchttiere, getötet werden. Denn Nerze, man erinnere sich an die Coronazeit, können leicht auch Menschen infizieren. Insgesamt wurden rund 485 000 Pelzzuchttiere vorzeitig getötet. Bisher gab es nur eine kleine Entschädigung und nur für einen Teil der betroffenen Farmer, da eine solche Summe im Haushalt nicht vorgesehen war.

Corona, Krieg, Vogelgrippe

Die Pelzbranche mit aktuell noch gut 400 Farmen konzentriert sich vor allem auf Österbotten, eine vorwiegend schwedischsprachige, ländliche Region. In den 1970er und- 80er Jahren war das ein sehr lohnendes Geschäft – die Kunden kamen aus China, Russland und der Türkei. Die Kommunen profitierten davon in Form von Steuereinnahmen, wie eine dreiteilige Podcast-Serie von Svenska Yle (auf Schwedisch) nachzeichnet. Doch die Geschäfte schrumpften, am schlimmsten in den vergangenen Jahren: Corona machte den Handel mit China unmöglich, und seit Russlands Angriff auf die Ukraine fällt der Handel mit Russland aus. Das Vogelgrippe-Jahr erwischte eine Branche, die bereits in der Krise war.

Akzeptanz für Pelzzucht in Finnland gesunken

Außerdem ist die Akzeptanz in Finnland für die Branche gesunken: Eine Bürgerinitiative, die das Ende der Pelztierzucht fordert (Turkistarhaus historiaan), erreichte im September innerhalb von 24 Stunden die notwendigen Unterschriften. Bei einer Umfrage von Helsingin Sanomat im November,  noch unter dem Eindruck der Vogelgrippe, fanden 60 Prozent, Pelztierzucht sei ethisch nicht vertretbar, und nur 27 Prozent fanden es ethisch vertretbar. 49 Prozent können sich ein Verbot vorstellen, 33 Prozent waren gegen ein Verbot.

Unter den Parlamentsabgeordneten gibt es dazu unterschiedliche Meinungen, die auch von der Region abhängen: In Österbotten ist es immer noch ein Wirtschaftsfaktor.

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