Seekabel-Bruch: Internetnutzer in Nordgrönland brauchen Geduld

Grönland. Sie sind nicht zufrieden mit Ihrer Internetverbindung? In Grönland finden Sie Leidensgenossen. Theoretisch liegt dort zwar ein Glasfaser-Seekabel – das hatte aber gerade drei Brüche gleichzeitig. Für einen Teil  der Nutzer gab es nun eine Lösung. Die im Norden müssen warten, bis das Eis verschwunden ist.

Seekabel

Seekabel vor Grönland. Quelle Tele-Post

Nur zu gerne hätte die staatliche grönländische Kommunikationsgesellschaft Tele-Post wohl gestern die frohe Botschaft verkündet: Das schnelle Internet funktioniert wieder, das Kabel ist repariert. Seit dem 21. Januar war die Verbindung nördlich von Maniitsoq nur eingeschränkt nutzbar. Das Kabel wurde laut Tele-Post  vermutlich durch ein Fischereifahrzeug beschädigt, damit beschäftigen sich bereits Anwälte. Für den Schuldigen dürfte die Aktion teuer werden. Die enttäuschten Internetnutzer mussten sich in Geduld üben, denn Reparaturschiffe für Seekabel liegen normalerweise nicht in der Nachbarschaft. Dann verhinderte auch noch schlechtes Wetter, dass die „Horizon Enabler“ aus Kanada den Weg über die Davisstraße antreten konnte. Der Kabelschaden südlich von Sisimiut ist seit Mittwoch repariert.

Tele-Post musste gestern jedoch mitteilen, dass Kunden in Sisimiut und Kangerlussuaq  nun zwar wieder schnell surfen können, dass es offenbar aber einen weiteren Schaden  nördlich von Sisimiut gibt. Die Ursache dafür ist noch unbekannt. Das Problem: Das Reparaturschiff kann dort aktuell nicht hinfahren, weil das Eis zu dicht ist.

Schon seit Ende Dezember gibt es außerdem einen Schaden in Südgrönland. Hier soll es inzwischen weniger Einschränkungen für die Nutzer geben, weil diese mit Island per Kabel verbunden sind. Da in Südgrönland gerade Sturm angesagt ist, kann das Schiff dort ebenfalls noch nicht tätig werden.

Schnelles Internet für 80 Prozent der Grönländer – wenn das Kabel hält

Das Glasfaserkabel war erst 2017 nördlich von Nuuk bis Aasiaat um etwa 700 Kilometer verlängert worden. Zwischen Aasiaat und Ilulissat wurde statt dessen die Funkkette verstärkt – die großen und tiefgehenden Eisberge dort über dem vergleichsweise flachen Grund hätten ein Kabel wohl schnell zerstört. Vorher gab es bereits ein Kabel aus Island nach Qaqortoq, Nuuk und weiter nach Kanada. Mit den Ausbauten haben 80 Prozent der Bürger zumindest theoretisch schnelles Internet – wenn das Kabel nicht beschädigt wird.

Billig ist Internetnutzung auf Grönland allerdings nicht – wenig verwunderlich angesichts der geringen Einwohnerzahl auf einer großen Fläche. Das günstigste Angebot kostet 499 Dänische Kronen, umgerechnet 67 Euro – und für Netflix dürfte es nicht reichen. Wer alles nutzen will, was möglich ist, muss schon mehr als 1000 DKK hinlegen. In der langen Phase, in der die Verbindungen nun besonders langsam waren oder noch sind, sollen die Betroffenen nun nur den günstigsten Preis bezahlen müssen.

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