Schmelzender Langjökull: Gletscherlagune verursacht überraschende Flut

Island. Eine plötzlich überlaufende Lagune des Gletschers Langjökull hat eine Überschwemmung an den Flüssen Svartá und Hvitá verursacht und die Ufer mit Schlamm bedeckt. Gletscherläufe auf Island sind meist auf Geothermie oder Vulkanausbrüche unter Gletschern zurückzuführen. In diesem Fall geht es um nichts von beiden, sondern um Schmelzwasser des schrumpfenden Langjökull.

Lagune am Langjökull nach der Entleerung. Foto Oddur Sigurðsson/ Veðurstofa Íslands

Die Flut kam völlig überraschend. Eine Messstation des isländischen Wetterdiensts am Fluss Hvitá registrierte eine Zunahme der Wassermenge von 90 Kubikmetern pro Sekunde auf 260 Kubikmeter pro Sekunde in nur zwölf Stunden. Der Höhepunkt wurde  am Dienstagmorgen um zwei Uhr erreicht. Insgesamt ergossen sich 3,4 Millionen Kubikmeter sedimentreiches Gletscherwasser über die Flüsse in den Borgarfjörður. Das Wasser soll fast bis an die Brücke über den Fluss Hvitá bei Húsafell heran gereicht haben. Im Uferbereich finden sich tote Lachse, die die Flut an Land gespült hat.

Abfluss der Lagune hat sich geändert

Überraschend war die Flut deshalb, weil das Wasser aus der Gletscherlagune bisher in eine andere Richtung abfloss – nach Norden in den See Flosavatn. Die Lagune (isländisch lón) bildete sich 2008 und wächst seitdem ständig. Nun hat sie sich einen neuen Abfluss gesucht: Wie die Wissenschaftler des meteorologischen Instituts bei einem Erkundungsflug feststellten, bahnte sich das Wasser zwei Kilometer unter dem Gletscherrand durch einen Weg bis zum Fluss Svartá, der später in die Hvitá mündet. Die Wissenschaftler untersuchen weiter die Gegend und prüfen, ob das Wasser nun dauerhaft diesen Weg nehmen wird und ob man auch in Zukunft mit solchen Fluten rechnen muss.

Gletscherlaufe zerstören auf Island immer wieder Brücken, unter anderem an der Ringstraße. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Flüsse bei veränderten Verhältnissen ihr Flussbett verlegen. Dies ist ein Problem in bewohnten Gebieten mit viel Infrastruktur.  In diesem Fall ging es glimpflich aus, wie die Fernsehbilder von RÚV zeigen. Die Brücke bei Húsafell  blieb unbeschädigt und die Hvitá fließt weiter darunter hindurch. (Quellen: Veðurstofa Íslands, mbl.is, RÚV)

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