Norwegen: Mumifizierte Leiche lag fünf Jahre in verlassener Hütte

Fauske (Norwegen). „Die Mumie in der verlassenen Hütte“ – so könnte auch ein Krimi heißen, der irgendwo im Norden spielt. Doch es handelt sich um einen echten Fall aus Fauske, der der norwegischen Polizei zunächst Rätsel aufgab. Die Spur führte nach Deutschland und Rumänien. NRK hat die Geschichte aufgearbeitet.

Fjord in Salten.

Fjord in der Region Salten.

Entdeckt wurde die mumifizierte Leiche eines Mannes Ende 40 am 26. April 2020 von den Hüttennachbarn in einem Gebiet bei Fauske. Die Hütte, in der er lag, war in schlechtem Zustand und galt seit Jahren als unbewohnt. Ronny Borge, Polizeichef des Bezirks Indre Salten, sagte zu NRK, er habe zuerst an Arjen Kamphuis gedacht. Denn die Leiche des vermissten IT-Sicherheitsexperten und ehemaligen Wikileaks-Beraters ist bis heute nicht gefunden – und er verschwand in dieser Region. Doch das Äußere des Mannes passte weder zu Kamphuis noch zum zweiten Vermisstenfall in Salten. Die Lebensmittel in der Hütte waren von 2015. In der Brieftasche fand man einen in Deutschland ausgestellten Ausweis mit Wohnort Obertraubling, eine EC-Karte der Sparkasse Regensburg, einige Euro-Scheine und rumänisches Geld sowie Landkarten von Nordnorwegen und Nordschweden. Das mumifizierte Gesicht ließ sich nicht wirklich mit dem Bild auf dem Ausweis vergleichen, abgesehen vom auffälligen Bart. Eine Vermisstenmeldung zu dem Namen auf dem Ausweis gab es in Norwegen nicht. Die Beschreibung wurde an Interpol gesendet.

Die Obduktion

War es Mord? Die Leiche wurde nach Tromsø gebracht, wo der Rechtsmediziner Lars Uhlin-Hansen die Obduktion vornahm – und keine Hinweise dafür finden konnte, soweit das eben an einer Mumie noch geht. Wie die Leiche in diesen Zustand kommen konnte, erklärt er gegenüber NRK mit der Kälte zum Todeszeitpunkt. Es gab keine Fliegen mehr – und als sie im Jahr darauf kamen, war die Leiche bereits so eingetrocknet, dass sie nicht durch die Haut hindurch gelangen konnten. Und so lag die Leiche fünf Jahre lang geruchlos in einer verfallenden Hütte.

Immer mehr Puzzleteile

Das Rätsel löste sich ein Stück, als der kunstvoll mit Hilfe von Silikon genommene Fingerabdruck im deutschen Register gefunden wurde. Der Mann stammte ursprünglich aus Rumänien. Es meldeten sich außerdem Zeugen, die ihn 2015 in der Gegend um die Hütte gesehen hatten. Einer davon, der deutsch konnte und mit dem Mann gesprochen hatte, konnte ein weiteres Stück zur Aufklärung beitragen. Der Mann berichtete dem Zeugen, er sei aus Narvik gekommen und wollte mit dem Bus weiter nach Bodø. Er hatte aber offenbar Probleme, mit Karte zu bezahlen und kein norwegisches Bargeld. Deshalb soll er aus dem Bus geworfen worden sein. In Bodø habe er das Flugzeug nach Oslo nehmen und von dort zurück nach Deutschland fliegen wollen. Das war Ende September 2015.

Die Hütte am Riksvei 80

Statt Geld zu wechseln und den nächsten Bus zu nehmen, versuchte er offenbar, zu Fuß zu gehen. Es sind allerdings gut 50 Kilometer, vielleicht hoffte er auch zu trampen. Die verlassene Hütte liegt in der Nähe des Riksvei 80 nach Bodø. „Es war wohl nicht sein Plan, dass sein Leben dort endet“, zitiert NRK den Polizeichef. Der Herbst 2015 soll frühen Nachtfrost gehabt haben. Ob der Mann erfroren oder an etwas anderem gestorben ist, wird vermutlich nie zu klären sein. Ebensowenig, warum er überhaupt diese Lösung wählte. Die letzten Puzzleteile bleiben offen.

Das war der Fall Arjen Kamphuis: Norwegen: Rätsel um verschwundenen Arjen Kamphuis gelöst?

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