Qaqortoq/Narsarsuaq (Grönland). Für Südgrönlands größten Ort Qaqortoq sind gestern neue Zeiten angebrochen: Statt eines Heliports ist nun der neue Regionalflughafen in Betrieb. Während Qaqortoq jubelt, müssen die Einwohner von Narsarsuaq sich damit abfinden, dass sie künftig nur noch mit dem Helikopter wegkommen. Die Änderungen bei Südgrönlands Flughafenstruktur haben auch Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Darüber berichtete Sermitsiaq.
Nach Nuuk ist Qaqortoq der zweite von drei neuen Flughäfen in Grönland innerhalb weniger Jahre. Mit diesem 2018 beschlossenen Gesamtpaket sollte die Flug-Infrastruktur besser auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet werden. Die Standorte der ehemaligen amerikanischen Militärflughäfen Kangerlussuaq (Sondrestrom Air Base) und Narsarsuaq (Bluie West One) waren nach Wetter- und strategischen Geseichtspunkten ausgewählt worden, befinden sich aber abseits der Siedlungsschwerpunkte.
Luftweg die wichtigste Infrastruktur
Flugzeuge und Helikopter sind das wichtigste regionale und überregionale Verkehrsmittel in Grönland, da es keine Straßen zwischen den Orten (außer der Piste zwischen Sisimiut und Kangerlussuaq) und erst recht keine Bahn gibt. Lediglich per Schiff, im Winter auch per Schneemobil/Hundeschlitten kommt man sonst noch von Ort zu Ort.
Freude in Qaqortoq, Frust in Narsarsuaq
Die gut 3000 Einwohner von Qaqortoq haben nun fast täglich die Möglichkeit, die Hauptstadt per Direktflug in einer Stunde und 25 Minuten zu erreichen. In die kleineren Orte Südgrönlands geht es dann von Qaqortoq weiter per Helikopter, darunter nach Narsarsuaq. Was mit dem 130-Einwohner-Ort Narsarsuaq nach Abzug des Flugzeugbetriebs geschieht, ist noch unklar. Wie Sermitsiaq berichtet, hat beispielsweise ein Touranbieter schon sein Hauptquartier nach Qaqortoq verlegt. Es habe zwar viele Seminare über die Zukunft gegeben, so der Unternehmer, aber es sei nichts Konstruktives dabei herausgekommen. Das US-Militär zeigte jüngst Interesse daran, wieder mehr Basen in Grönland einzurichten, aber auf die USA ist man gerade nicht so gut zu sprechen.
Küstenschifffahrt bekam Vertrag für zwei Jahre
Unklar ist auch, welche Auswirkungen die neue Flugverbindung nach Qaqortoq auf die Küstenschifffahrt haben wird. Ende 2025 erhielt die Arctic Umiaq Line noch einmal einen Vertrag für zwei Jahre und wird mit dem Schiff Sarfaq Ittuk wie bisher zwischen Ilulissat im Norden, Nuuk und Qaqortoq im Süden verkehren. Der Vertrag nur über zwei Jahre war der Reederei aber nicht sicher genug, um in ein neues Schiff zu investieren. Sarfaq Ittuk hat Platz für gut 200 Passagiere.
Modernes Hybridschiff soll verkauft werden
Ein anderes Schiff wird dagegen jetzt schon ausgemustert: Maliina Ittuk, das neue Hybridschiff der Disko Line mit Platz für 113 Passagiere, war nur wenige Monate in Betrieb und fuhr zwischen Qaqortoq und Narsarsuaq. Diese Verbindung ist mit der Eröffnung des Flughafens überflüssig. Eigentlich war geplant, dass es dann in der Disko-Bucht zwischen Ilulissat und Qeqertarsuaq eingesetzt werden sollte. Disko Line hatte viel Geld in den Bau des Hybridschiffs investiert, hat in Ilulissat aber keinen Hafenplatz bekommen, wo sich die Batterien laden ließen. Deshalb soll das Schiff nun verkauft werden.
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