Boden (Schweden). Zuletzt sah es so aus, als würde dem Unternehmen Stegra das Geld ausgehen, bevor die erste Tonne fossilfreien Stahls im Lichtbogenofen produziert wurde. Diese Sorgen sind vorbei: Ein Konsortium, zu dem Wallenberg Investment gehört, ist bei Stegra mit 1,4 Milliarden Euro eingestiegen. Darüber berichtete unter anderem SVT.
Stegra in Boden ist eins von zwei Projekten in Nordschweden, die auf fossilfreie Stahlerzeugung setzen. Das andere ist SSAB in Luleå und Oxelösund. Während SSAB seine neuen Öfen parallel zum bisherigen, konventionellen Stahl- Business hochzieht und vorher zunächst in einer Pilotanlage die Technik getestet hat, ist Stegra eine völlig neue Firma an einem neuen Standort und setzt von Anfang an auf Größe. Das Geld kommt von privaten Investoren. Aber man brauchte mehr davon als geplant: Stegra brauche 10, besser noch 20 Milliarden Kronen, hieß es zuletzt in den Medien – und die sollten zwar bis Ende März gefunden worden sein, waren es aber nicht. Es gibt in dieser Geschichte einige Parallelen zum gescheiterten Batterieriesen Northvolt, was die Befürchtungen vor Ort verstärkte.
Name Wallenberg allein ist viel wert
So kommt es wohl nicht: Die 15 Milliarden Euro des Konsortiums, umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro, decken zunächst den Bedarf. Und sie sind laut SVT-Kommentator Johan Zachrisson Winberg mehr wert durch den Namen Wallenberg, einer traditionsreichen schwedischen Finanzdynastie. Zwar bestehe der Anteil von Wallenberg Investment nur aus drei der 15 Milliarden SEK des Konsortiums. Aber der Name Wallenberg stehe für eine langfristige Ausrichtung und gute Möglichkeiten, bei Bedarf noch mehr hervorzuholen.
Modernes Stahlwerk auf der grünen Wiese
Die heranwachsende Industrieanlage in Svartbyn bei Boden ist komplett auf die neue, fossilfreie Methode der Stahlproduktion ausgerichtet. Etwas abseits soll der Wasserstoff selbst erzeugt werden, der dann für die Direktreduktion benötigt wird. Mithilfe der Lichtbogentechnologie entsteht dann der Stahl. Für den Prozess werden enorme Mengen Energie benötigt, die aus Wind und Wasserkraft kommen soll.
Abkommen für das Erz fehlt noch
Wind und Wasserkraft gibt es in Nordschweden, und den Rohstoff Erz eigentlich auch – reichlich. Bisher ist Nordschwedens größter Erzlieferant LKAB aber kein Abkommen mit Stegra eingegangen. Zum einen ist LKAB finanziell bei der „Konkurrenz“ SSAB involviert. Zum anderen sind die Gleise Richtung Boden laut LKAB so voll, dass man keine Lieferungen versprechen könne. Nachdem die Finanzierungsfrage nun vom Tisch ist, ist ein Erz-Abkommen mit LKAB laut PT allerdings das nächste Ziel.
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