Stadtführer Luleå im Winter

Der Winter in Luleå verwirrt den Gast. Die Grenze von Land und Wasser ist aufgehoben, denn das Wasser friert zu und wird wie selbstverständlich von den Menschen genutzt – zu Fuß, auf Skiern und Schlittschuhen, mit dem Schneemobil und sogar mit dem Auto. Im Spätwinter umfasst das Eis den gesamten Schärengarten. Und wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, erlebt auch das Polarlicht.

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Luleå Winter

Luleå im Winter: Platz auch auf dem Eis

Winter-Luleå hält für seine Einwohner ein gutes Angebot für Sport und Freizeit vor, von dem auch die Gäste profitieren, draußen und drinnen. Tourismus ist für die Hauptstadt der Region Norrbotten nur ein Standbein von vielen – große Arbeitgeber sind die Stahlindustrie und die Universität. Außerdem wurde dort der erste Facebookserver außerhalb den USA gebaut. Dass eine zuverlässig gepflegte Zwölf-Kilometer-Natureisbahn etwas ist, was nicht jeder hat, spricht sich zwar langsam herum. Schlittschuh-Enthusiasten aus den Niederlanden tragen dort inzwischen regelmäßig Wettbewerbe aus. Doch die meiste Zeit ist die Bahn einfach ein Teil der städtischen Infrastruktur, der von den Bürgern geschätzt und genutzt wird – gratis.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit neben der Eisbahn ist das alte Zentrum in Gammelstad, heute Weltkulturerbe. Luleå Kommun – dazu gehören auch Råneå und eine Reihe Dörfer in der Umgebung – hat heute gut 77.000 Einwohner.

Tipps zu Anreise und Übernachtung

So verläuft das Winterhalbjahr in Luleå:

  • Herbst: In den Nächten ist es bereits dunkel genug für Nordlicht. Die ersten Nachtfröste treten auf, das Laub verfärbt sich und fällt, man kann noch Beeren pflücken, es ist aber noch nicht kalt genug für eine richtige Eisschicht auf den Gewässern (September-Oktober)

  • Mittagssonne

    Mittagssonne am 15. Dezember.

    Vorwinter: Es fällt der erste Schnee, der auch liegen bleibt, auf geschützten Gewässern und in geschützten Buchten trägt das erste Eis bereits. Es können auch warme Phasen auftreten, die all das wieder tauen lassen. Das Tageslicht schwindet. (Oktober-November-Anfang Dezember)

  • Winter: In der dunkelsten Zeit kommt die Sonne kaum noch über den Horizont, am 21. Dezember sind es nur knapp drei Stunden. Schnee und Eis sind gekommen, um zu bleiben. Etwas zeitversetzt folgt die Kälte. Januar und Februar sind sind die kältesten Monate mit Durchschnittstemperaturen von -11 Grad.

  • Frühlingswinter: Schon im Februar sind die Tageslichtzeiten wieder deutlich gewachsen, langsam steigen auch die Temperaturen wieder, abhängig von den Luftströmungen. Lange Tage, aber noch zuverlässige Schnee- und Eislage machen den „Vårvinter“ zu einer beliebten Zeit für Wintersport (Ende Februar-April).
Södra Hamn Januar

Södra Hamn, 8. Januar, 12.27 Uhr, die Sonne teilweise schon von Wolken verdeckt.

Lichtverhältnisse: Luleå liegt etwa 100 Kilometer südlich des Polarkreises, hat also keine Polarnacht. Am kürzesten Tag, dem 21. Dezember, kommt die Sonne theoretisch noch für drei Stunden über den Horizont (9.54 Uhr -13.03 Uhr) Da die Umgebung hügelig ist, sieht man sie aber nicht so lange. Sie steigt dann auch nur auf 1,3 Grad. Das schräge Licht des Winters an klaren Tagen hat jedoch eine besondere Stimmung und die Dämmerungsphasen sind länger. Dieses Licht kann aber auch blenden, deshalb gehört eine Sonnenbrille unbedingt ins Gepäck. Weil Luleå östlich in der Zeitzone liegt, liegt die helle Phase vormittags. Das sollte man bei der Ausflugsplanung berücksichtigen.

Temperaturen: Die Sonne hat im Winter keine Kraft. Die Temperaturen hängen allein davon ab, welche Luftströmungen gerade herrschen. Eine Phase mit bis zu -30 Grad kann im Winter ebenso vorkommen wie Tage knapp über 0 Grad. Das persönliche Empfinden hängt dann noch davon ab, wie viel Wind weht. Vernünftig gekleidet – Eitelkeit ist hier fehl am Platz – und in Bewegung lässt sich die Kälte jedoch aushalten.

Broddar

Glatter Boden: Mit „broddar“ am Stiefel geht es sich sicherer.

Bodenverhältnisse: Wenn die Temperaturen zwischen Minus- und Plusgraden wechseln oder wenn Regen auf eiskalten Boden fällt, wird es schnell glatt. Nicht ohne Grund fahren nordschwedische Autofahrer Reifen mit Spikes. Solche kann man sich auch unter die Schuhe ziehen. In Schweden sind sie in Apotheken erhältlich („broddar“). Ein Modell mit mehr Nägeln bringt deutlich mehr Trittsicherheit als das sparsame City-Modell. Hotels mögen es allerdings meist nicht, wenn man Spikes an den Füßen über ihre Böden läuft, also rechtzeitig wieder abmachen. Mit Einlegesohlen halten Sie Ihre Füße zusätzlich warm. Wer gerne abseits geräumter Wege läuft, sollte auch daran denken, dass der Schnee tiefer sein kann als ein knöchelhoher Stiefel. Hier können Gamaschen helfen, trockene Füße zu behalten.

Zum ersten Mal in der Stadt

Die richtige Adresse für fast alles: Kulturens Hus

Zentraler Anlaufpunkt in Luleå: Kulturens Hus, Skeppsbrogatan 17, Ecke Smedjegatan. Dort gibt es Schutz vor Kälte, die Tourist Info, ein Café, die Bibliothek, Toiletten und gratis WLan. Es hat auch sonntags einige Stunden geöffnet. Stadtpläne und Infomaterial sind im Haus auch zugänglich, wenn die Tourist Info geschlossen hat. Unter der Woche gibt es im Restaurant/Pub im Obergeschoss einen vergleichsweise preiswerten Mittagstisch (dagens lunch) inklusive Kaffee.

Vom Bahnhof sind es dorthin etwa 800 Meter. Wer mit dem Bus vom Flughafen kommt, steigt Smedjegatan aus und geht noch ein Stück bergab. Gegenüber des Kulturens Hus befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz. Im Gebäude selbst ist ein Parkhaus, falls das Auto nicht einfrieren soll.

Luleå Zentrum KarteErster Stadtrundgang: Vom Kulturens Hus blickt man bereits auf Norra Hamn, den nördlichen Hafen. Von dort aus kann man immer am Ufer entlang um die ganze Zentrums-Halbinsel gehen. Dieser Weg wird auch im Winter geräumt und gestreut. Dabei ändert sich ständig die Perspektive, Infotafeln berichten zum historischen Hintergrund. Die Runde dauert ungefähr eine Stunde, je mach Tempo und Bodenverhältnissen.

Ist die Eisbahn bereits eröffnet, kann man in Norra Hamn auch über eine Brücke hinunter aufs gefrorene Wasser gehen. Hat man Glück, steht ein Tretschlitten („spark“) zur Ausleihe bereit.

Eisbahn

Eisbahn auf dem Luleälv/ Luleå Stadsfjärden (nicht maßstabsgetreu). Karten Openstreetmap/sel

Die Fläche für Schlittschuhläufer wird glatt gehalten, an der Seite ist jedoch ein Streifen für Spaziergänger. Spikes („broddar“) an den Schuhen sind trotzdem hilfreich. Auf der Eisbahn kann man um das Stadtzentrum herum gehen und die Silhouette der Häuser und der Domkirche aus der Entfernung bewundern. Am Haus der Gesundheit lässt sich die Runde abkürzen. Bei Södra Hamn ist die Umrundung komplett. Zurück zum Kulturens Hus geht es über die Smedjegatan. Dabei quert man auch die Einkaufsstraße Storgatan.

Wer sich noch mehr bewegen will, kann über das Eis zur Insel Gråsjälören laufen. Bei schönem Wetter verkauft der Rotary-Club dort am Wochenende Waffeln und hisst dann die Flagge auf der Insel. Das ist von Södra Hamn aus zu sehen.

Aufwärmen: Die Kälte begrenzt die Zeit, die man sich draußen aufhalten kann oder möchte. Im Stadtzentrum gibt es diverse Cafés und Restaurants. Wer keine Sauna (schwedisch „bastu“) in der Unterkunft hat, findet sie in einem der städischen Bäder. Pontusbadet liegt zentral nur 200 Meter vom Kulturens Hus entfernt. Auch in Gammelstad gibt es ein Bad.

Indoor-Aktivitäten: Norrbottens Museum, Storgatan 2, gut zu Fuß vom Zentrum aus zu erreichen, mit Café.  Teknikens Hus, ein Science Center mit Planetarium, nahe der Universität, Bus nach Porsön. Kino („bio“): Ausländische Filme werden meist nur untertitelt und nicht synchronisiert, also beim passenden Film auch eine Option für Leute ohne Schwedischkenntnisse. (Filmstaden, Timmermansgatan 19-21, Royal/Folkets Bio, Nygatan 1)

Mobilität

Busse: Im Stadtgebiet verkehrt Luleå Lokaltrafik (LLT). Der zentrale Knotenpunkt ist die Haltestelle Smedjegatan (Kreuzung Storgatan, Einkaufsstraße). Bezahlen im Bus nur mit Karte, eine Fahrt 35 Kronen. Wer ihn häufiger nutzen will, kann sich im LLT-Büro in der Smedjegatan, im Pressbyrå in der Strand Gallerie oder online ein 72-Stunden-Ticket für 150 Kronen (pro Person) holen.

Fahrradvermietung: Cykelstället (normale Räder) und Fatbike Adventure.

Die Überlandbusse starten vom ZOB, Ecke Prästgatan/Skeppsbrogatan, und werden betrieben von Länstrafik Norrbotten (LTN).

Autovermietung: Mehrere größere Unternehmen haben eine Filiale direkt im Flughafen.

Aktivitäten im Winterhalbjahr

Spätherbst Hertsöträsk

Spätherbst am Hertsöträsk.

Solange der Schnee noch nicht oder nicht zu tief liegt, lässt es sich in und um Luleå gut wandern, zum Beispiel im Gebiet Ormberget/Hertsölandet. Karten mit Routen und Touren gibt es in der Tourist Info. Sobald der Schnee zu tief liegt, wird das aber sehr mühsam. Gut zu laufen ist dann noch der Weg vom Parkplatz Ormberget West nach Hagaviken, eine Art Misch-Spur für alle. Es gibt auch Leute, die das ganze Jahr über Rad fahren, entweder auf einem Fatbike oder im Winter mit Spikesreifen. Das Problem am Radfahren im Winter ist, dass sowohl Schlösser als auch Gangschaltung und Bremsen schnell einfrieren, wenn man das Rad nicht im Warmen abstellen kann.

All dies kann man aber auch anderswo tun – zentrumsnah Schlittschuh laufen oder Langlaufen eher nicht.

Alles über Schlittschuh laufen in Luleå

Alles über Ski-Langlaufen in Luleå

Abfahrtsski:

Wer ernsthaft Abfahrtski fahren will, fährt weiter in die Berge, nach Björkliden oder Riksgränsen zum Beispiel, beides mit dem Zug erreichbar. Für ein paar Stunden Spaß hat man jedoch auch in Måttsund, etwa 20 Kilometer vom Zentrum entfernt, wo man sich auch Ausrüstung leihen kann. Am Ormberget gibt es ebenfalls einen kleinen Lift für Skifahrer und Rodler.

Eisstraßen

Auto Ostsee

Mit dem Auto auf der Ostsee.

Einen Fährverkehr für Touristen in den Skärgården gibt es nur im Sommer. Im Spätwinter kann man dagegen auf eigenen Reifen zu einigen Inseln fahren, wenn die Bedingungen es zulassen. Die Eisstraßen werden von Schnee geräumt, die Tragfähigkeit wird ständig überwacht. Selbstverständlich befährt man diese Strecken nicht mit Sommerreifen.

Mehr zum Fahren auf den Eisstraßen

Eisangeln

Selbstverständlich wird in Luleå auch im Winter geangelt. Dazu brauchen Sie nicht einmal ein Boot. Gehen Sie auf das Eis hinaus und bohren Sie einfach ein Loch. Petri Heil! 2019 wurden sogar die schwedischen Meisterschaften im „Pimpelfiske“ in Luleå auf dem Stadsfjärden vor Södra Hamn ausgetragen.

Wer stadtnah angeln will, braucht eine „Fiskekort“, die in der Tourist Info erhältlich ist. Meerseits von Klubbviken /Tjuvholmsundet ist keine Erlaubnis erforderlich.

Weltkulturerbe Gammelstad

Gammelstad Kyrkbyn im Winter

Gammelstad Kyrkbyn im Winter

Als die „Nederluleå kyrka“ im 15. Jahrhundert gebaut wurde, lebten in der Region schon länger Menschen. 1621 erhielt der Ort als „Luleå“ Stadtrecht. Doch schon 1649 musste man sich eine Alternative suchen: Der Hafen war aufgrund der postglazialen Landhebung zu flach geworden, dabei wurden die Schiffe immer größer. So kam es zur Neuansiedlung Luleås auf der Halbinsel, die heute noch das Zentrum bildet und wo seit 1893 auch die Domkirche steht. Das alte Zentrum heißt heute Gammelstad und ist Weltkulturerbe.

Mehr zu Gammelstad Kyrkbyn

Nordlicht

Nordlicht im Wald

Je dunkler die Umgebung, desto besser ist das Nordlicht zu sehen.

Luleå liegt oft etwas südlich des Polarlicht-Ovals. Ab einem kp-Wert von 3 lohnt es sich aber, Ausschau zu halten. Um diese Lichter zu sehen, braucht man freien Blick nach Norden und möglichst keine Störungen durch künstliches Licht. Wie alle Städte im hohen Norden ist Luleå sehr gut beleuchtet, damit das Leben der Bewohner auch in der dunklen Zeit des Jahres problemlos weitergeht. Wer in einem Hotel im Zentrum wohnt, kann aber von Gültzauudden über den Fluss hinweg versuchen, die Lichter zu sehen. Bei einem kp-Wert von 5 reicht es oft schon, vor die Tür zu gehen, denn dann findet die Show hoch oben am Himmel statt. Je dunkler es ist, desto besser sieht man sie natürlich! Weitere gute Aussichtspunkte in Luleå sind:

  • Laxfiskemuseet in Gäddvik (Blick über den Fluss)
  • Ormbergsbacken (Ski- und Rodelhügel, oben)
  • Mjölkuddsberget
  • Der alte Erzkai, neben den Eisbrechern (Gamla Malmkajen)
  • Badestelle Sinksundet

…und natürlich jeder andere dunkle Ort, der gute Sicht hat. Es lohnt sich, vorher geeignete Plätze zu erkunden. Denn Polarlichter sind ein sehr flüchtiges Phänomen. Die besten Phasen können sehr kurz sein. Man kann nur versuchen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die oben genannten Orte sind sogar in dem Stadtplan markiert, den es bei der Tourist Info gratis gibt. Voraussetzung ist natürlich immer klarer Himmel!

Mehr zum Thema siehe unter Polarlicht

Schlittenhunde und Schneemobile

Snöskoter

Ein Schneemobil mit Anhänger fährt aufs Eis – das Allround-Fahrzeug des Winters

Das Allroundfahrzeug schwedischer Winterfreunde ist das Schneemobil (Snöskoter). Sein Vorteil ist, dass man damit auf jedem Untergrund fahren kann. An Land muss man sich an dafür ausgewiesene Strecken halten, auf dem Eis hat man freie Fahrt. Inselbewohner nutzen es, sobald das Eis fest genug ist, und sind damit schneller als mit dem Boot. Es gibt Unternehmen, die auch Besucher in die Kunst des Schneemobilfahrens einweihen und auf einen Ausflug mitnehmen. Dort wird natürlich auch die entsprechende Ausrüstung gestellt.

Die naturnähere Variante ist der Ausflug mit Schlittenhunden. Hier werden Hundetouren angeboten:

Weitere Winteraktivitäten von touristischen Anbietern gibt es auf der Webseite von Visit Luleå. Auch Eisangeln, Schlittschuhfahren oder das Autofahren auf Eisstraßen kann gebucht werden.

Diese Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Zu den verlinkten Anbietern habe ich keine persönliche Verbindug und verdiene auch nicht daran. Änderungen können vorkommen. Sollten Sie feststellen, dass etwas nicht mehr aktuell ist, melden Sie sich gerne per E-Mail bei andrea.seliger@polarkreisportal.de.