Stadtführer Luleå im Sommer

Sommer in Luleå ist, wenn die Straßen vom Streusand gereinigt sind, das letzte Eis in den Buchten geschmolzen ist, die Birken grünen und eine Flut von Blumenkübeln der Stadt ein buntes Gesicht gibt.

Willkommen in der Stadt, in der man früher oder später immer am Wasser landet. Dort mündet der mächtige Luleälv in die Ostsee, das Zentrum liegt auf einer Halbinsel, Meeresarme ziehen sich weit ins Stadtgebiet und vor der Küste breitet sich ein Schärengarten aus…

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Norra Hamn

Luleå Norra Hamn

Luleå ist eine Stadt, die ihren Bewohnern sehr viel Lebensqualität und eine gute Infrastruktur bietet. Daran lässt man auch die Gäste teilhaben, ohne besonders touristisch zu sein. Das übersichtliche Zentrum lädt an viele Stellen zum Verweilen an, mit und ohne Gastronomie. Luleå ist geprägt durch die Universität, die viele junge Menschen und internationale Studierende anzieht, aber auch durch schwere Industrie. Das Stahlwerk SSAB verarbeitet das Erz aus Malmberget. Das und die übrigen Erzlieferungen tragen dazu bei, dass der Hafen zu den fünftgrößten des Landes gehört, in Tonnen Fracht gemessen. Das Ende der örtlichen Werft schaffte Platz für Wohnungsbau am Wasser und eine Promenade auf Luleås „Sonnenseite“, Södra Hamn.

Södra Hamn

Luleå Södra Hamn, vom Schiff aus gesehen

Als Hauptstadt der Region Norrbotten  hat  Luleå viele Verwaltungseinrichtungen. Norrbottens Teater, Kulturens Hus und weitere Einrichtungen bieten der Bevölkerung ein Veranstaltungsprogramm, das man so weit in der „Provinz“ möglicherweise nicht erwartet hätte – wenn auch aktuell aufgrund der Coronakrise eingeschränkt/eingestellt. In Luleå wurde außerdem der erste Facebook-Server außerhalb den USA eingerichtet – weil das Klima sowie kühlt und der Strom aus Wasserkraftwerken kommt.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehört das alte Zentrum Gammelstad mit einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert und dem original Kirchdorf, etwas außerhalb der heutigen Stadt. Gammelstad Kyrkbyn ist Weltkulturerbe. Luleå Kommun – dazu gehören auch Råneå und eine Reihe Dörfer in der Umgebung – hat heute gut 77.000 Einwohner.

Tipps zu Übernachtung und Anreise

Sommer in Luleå: Rund um die Uhr hell

Gültzauudden

Badestrand Gützauudden

Klima:  Warme Sommer, kann auch mal mehr als 25 Grad werden. Die Durchschnittstemperatur im Juli beträgt 15,2 Grad. Man sollte also Sommergarderobe mitnehmen – aber nicht nur. Die Wassertemperatur reicht im Hochsommer zum Baden, wenn man nicht verwöhnt ist. Sehr kalte Winter, es kann auch mal -25 Grad werden, Januar-Durchschnitt  -11,6 Grad. Das Eis liegt bis Anfang Mai.

Lulsundet

Am Lulsundet, 0.40 Uhr, zur Zeit der Sommersonnwende.

Lichtverhältnisse: Luleå liegt noch etwa 100 Kilometer südlich des Polarkreises, hat also keine echte Mitternachtssonne. Zur Sommersonnwende (21. Juni) verschwindet sie allerdings nur für eine Stunde hinter dem Horizont, es bleibt hell. Richtig dunkel wird es nachts schon ab Mitte Mai nicht mehr. Eine Sonnenbrille gehört unbedingt ins Gepäck.

Von Ende August bis April hat man die Chance auf Polarlicht. Zur Wintersonnwende (21. Dezember) zeigt sich die Sonne drei Stunden lang knapp über dem Horizont.

Midsommar: Feier auf Gültzauudden

Mittsommer: Wer zur hellsten Zeit des Jahres nach Luleå reist, kann mit den Schweden „Midsommar“ feiern. Sowohl im Freilichtmuseum Hägnan in Gammelstad auch auf der Landspitze Gültzauudden in Luleås Zentrum finden öffentliche Veranstaltungen statt, bei denen die Traditionen gepflegt werden: Es wird die typische Stange aufgestellt und darum herum getanzt, zu Livemusik mit klassischen Liedern wie „Små grodorna“. Diese öffentlichen Aktionen spielen sich jedoch früh am Tag ab, danach verziehen sich die Leute ins Privatleben. Ab 17 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben, auch Geschäfte schließen an diesem Tag früh – eine der wenigen Ausnahmen zu den ansonsten extrem großzügigen schwedischen Öffnungszeiten.

Zum ersten Mal in der Stadt

Kulturens Hus

Kulturens Hus

Zentraler Anlaufpunkt in Luleå: Kulturens Hus, Skeppsbrogatan 17, Ecke Smedjegatan. Dort gibt es die Tourist Info, ein Café (wegen Corona leider gerade geschlossen), die Bibliothek, Toiletten und gratis WLan. Es hat auch sonntags einige Stunden geöffnet. Unter der Woche gibt es im Restaurant/Pub im Obergeschoss einen vergleichsweise preiswerten Mittagstisch (dagens lunch) inklusive Kaffee.

Vom Bahnhof sind es dorthin etwa 800 Meter. Wer mit dem Bus vom Flughafen kommt, steigt Smedjegatan aus und geht noch ein Stück bergab. Gegenüber des Kulturens Hus befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz.

Erster Stadtrundgang: Vom Kulturens Hus blickt man bereits auf Norra Hamn, den nördlichen Hafen. Von dort aus kann man immer am Ufer entlang um die ganze Zentrums-Halbinsel gehen. Dabei ändert sich ständig die Perspektive, Infotafeln berichten zum historischen Hintergrund. Die Runde dauert ungefähr eine Stunde.

Luleå Zentrum KarteMan passiert Ausflugsschiffe und Norrbottens Teater, die naturbelassene Nordspitze Gültzauudden mit Wäldchen, Badebucht, Spielplatz und Liegewiese. Es folgen ein kleiner Hafen und eine Reparaturwerft, um die man außen herum gehen muss. Der Weg führt unter der Bergnäsbrücke hindurch. Im letzten Abschnitt hat man Ausblick auf den Lulefjärden. Am Södra Hamnplan (Platz) sieht man den Kran, der von der früheren Werft übrig geblieben ist. Von dort starten auch die Linienschiffe in den Schärengarten und vielleicht hat eine der Buden offen und serviert einen Imbiss. Zurück zum Kulturens Hus geht es über die Smedjegatan. Dabei quert man die Einkaufsstraße Storgatan.

Wer mit dem Auto unterwegs ist und weder Kaffee, Toilette, WLan noch Stadtplan braucht, kann auch direkt zu dem Parkplatz am kleinen Hafen fahren (Ende Repslagargatan), der kostenfrei ist. Dort dürfen auch Wohnmobile stehen. Er ist allerdings nicht sehr groß und deshalb schnell voll. Weitere Wohnmobilstellplätze befinden sich am Yachthafen bei Södra Hamn.

Mobilität

Fußgängerzone Storgatan

Fußgängerzone Storgatan

Busse: Im Stadtgebiet verkehrt Luleå Lokaltrafik (LLT). Der zentrale Knotenpunkt ist die Haltestelle Smedjegatan (Kreuzung Storgatan, Einkaufsstraße). Bezahlen im Bus nur mit Karte, eine Fahrt 36 Kronen. Wer ihn häufiger nutzen will, kann sich im LLT-Büro in der Smedjegatan, im Pressbyrå in der Strand Gallerie oder online ein 72-Stunden-Ticket für 150 Kronen (pro Person) holen. Deutlich günstiger wird es auch mit der aufladbaren Karte (Reskassa), die sich lohnt, wenn man länger am Ort bleibt.

Fahrradvermietung: Cykelstället (normale Räder) und Fatbike Adventure.

Die Überlandbusse starten vom ZOB, Ecke Prästgatan/Skeppsbrogatan, und werden betrieben von Länstrafik Norrbotten (LTN).Sie nehmen in der Regel auch Fahrräder mit.

Autovermietung: Mehrere größere Unternehmen haben eine Filiale direkt im Flughafen.

Aktivitäten im Sommer

Wandern, Radfahren, Paddeln auf dem Fluss und im Skärgården. Die Stadt ist sehr darum bemüht, Leute aus dem Auto und aufs Rad zu bekommen. Es gibt gut ausgeschilderte Radwege, die auch über weite Strecken jenseits der stark befahrenen Hauptstraßen die Ortsteile verbinden, siehe Fahrradkarte der Kommune. Vom Zentrum aus ist man auch schnell in der Natur, auf vielen Wegen. Die Tourist Info hält gratis Karten mit Tipps für Wander-, Rad- und Kajaktouren in der Umgebung bereit, sowohl auf Schwedisch als auch auf Englisch. Eine Übersicht zu Wanderwegen und anderen Aktivitäten gibt es  auch online.

Hertsöträsk Weg

Vom Parkplatz Hertsöträsk bis zum See und noch ein Stück weiter ist der Weg rollstuhlgerecht ausgebaut.

Das Gebiet Ormberget-Hertsölandet beispielsweise bietet stadtnah  viele Möglichkeiten. Der 17 Kilometer lange markierte Hertsöstigen führt quer durch, inklusive einer halben Hertsöträsk (See)-Umrundung. Mit dem Bus kommt man zur Haltestelle Ormberget oder  in den Ortsteil Hertsön und kann von dort aus laufen/zurückfahren. Weiter östlich fährt nur ein Schulbus morgens. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann ab dem Parkplatz Hertsöträsk starten (ausgeschildert vom Hertsövägen aus). Das Stück zum See und auch etwas darüber hinaus ist mit einem Bohlenweg versehen und damit sogar für Rollstuhlfahrer passierbar. Angeln ist nur mit „Fiskekort“ erlaubt, die man in der Tourist Info und online kaufen kann. Die Hütten und Unterstände entlang des Sees sind alle so ausgerüstet, dass man sofort das vorhandene Holz auf die Feuerstelle werfen und den eventuell gefangenen Fisch grillen kann.

Kajakvermietung: Ab Beginn der schwedischen Sommerferien spontan in Södra Hamn sowie auf der Insel Sandön in Klubbviken, außerdem beim Campingplatz First Camp. Weiter außerhalb auf der Halbinsel Kängsön  Canoe Adventure North. 

Brändöskär

Brändöskär

Skärgården: Vor Luleå liegen 1312 Inseln und Inselchen, sehr attraktiv für jede Art von Bootsverkehr. Zwölf davon sind dauerhaft bewohnt, auf einigen anderen stehen Sommerhäuser oder Hütten. Im Sommerhalbjahr verkehren zu einigen dieser Inseln Linienschiffe. Luleå Kommun vermietet auch Hütten auf Brändöskär, Junkön, Kluntarna und Småskär. Auf den Inseln gibt es außerdem Saunahütten (bastu), in denen man sich eine Zeit reservieren kann, sobald man vor Ort ist.

Klubbviken

Klubbviken

Baden: Da bis Anfang Mai noch Eis liegt, darf man Anfang Juni noch nicht so hohe Wassertemperaturen erwarten. Die langen Sonnenzeiten bringen aber auch diesen Teil der Ostsee in Bereiche, die akzeptabel sind. Die Strände sind nicht riesig, liegen aber schön, und bei so viel Küstenlinie gibt es auch eine große Auswahl. Die nächste Badebucht im Zentrum ist Gültzauudden. Nach Klubbviken auf Sandön fahren die Linienschiffe, die Tour dauert etwa 40 Minuten.

Mehr zu den Stränden und welcher für welche Gelegenheit am besten passt, gibt es im Strandführer Luleå.

Ausrüstung: Wer noch die Ausrüstung ergänzen muss: Hägglunds Äventyrsbutik im Zentrum, Fußgängerzone, Storgatan 26) oder XXL im Einkaufsgebiet Storheden, Linie 9, Storhedsvägen 6. Alle haben auch sonntags offen.

Die doppelte Stadtgründung

Nederluleå kyrka

Nederluleå kyrka, Luleås ältestes Gebäude, und „Kyrkbyn“ in Gammelstad.

Als die „Nederluleå kyrka“ im 15. Jahrhundert gebaut wurde, lebten in der Region schon länger Menschen. 1621 erhielt der Ort als „Luleå“ Stadtrecht. Doch schon 1649 musste man sich eine Alternative suchen: Der Hafen war aufgrund der postglazialen Landhebung zu flach geworden, dabei wurden die Schiffe immer größer. So kam es zur Neuansiedlung Luleås auf der Halbinsel, die heute noch das Zentrum bildet und wo seit 1893 auch die Domkirche steht. Das alte Zentrum heißt heute Gammelstad und ist Weltkulturerbe.

Offizielle Tourismusseite der Stadt: Visit Luleå

Text und Fotos Andrea Seliger

Karte: Openstreetmap, bearbeitet

Diese Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Es können sich jedoch immer Änderungen ergeben. Sollten Sie feststellen, dass etwas nicht mehr aktuell ist, melden Sie sich gerne per E-Mail bei andrea.seliger@polarkreisportal.de.

Letzte Überprüfung 10.7. 2020.