Grönländischer Pastor suspendiert – wegen Trommeltanz?

Nuuk (Grönland). Ein Pastor in Nuuk ist nach seiner Predigt zum Nationalfeiertag am 21. Juni suspendiert worden. Inzwischen haben sich bereits fast 1000 Grönländer mit ihrer Unterschrift für ihn eingesetzt. Die Vermutung: Der Arbeitgeber hat sich am Trommeltanz gestört. Vor 300 Jahren hatte die Kirche den Trommeltanz verboten, doch inzwischen ist er als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Darüber berichteten Sermitsiaq und KNR. Mit Update 21 Uhr.

Qilatersorneq

Trommeltänzer – qilaatersortoq (Symbolbild, nicht der aus diesem Artikel). Quelle: Naalakkersuisut

Der Pastor Markus E. Olsen wird von den interviewten Menschen als jemand beschrieben, dem es gelang, mit seinen Predigten die heutigen Grönländer anzusprechen. Seine Gottesdienste wurden im Radio übertragen, deshalb waren seine Predigten über Nuuk hinaus bekannt – auch der zum Nationalfeiertag. Danach wurde er suspendiert. Die grönländische Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk sagt dazu nichts, da es sich um eine Personalsache handele, berichten die Medien – und der betroffene Pastor schweigt auch.

Als vermutete Ursache gilt – und so bestätigte es den Medien offenbar auch eine anonyme Quelle -, dass im Rahmen dieses etwas außergewöhnlichen Festgottesdienstes auch ein Trommeltänzer auftrat. Das entspricht nicht dem Regelwerk für Gottesdienste. Diverse Meinungen wurden inzwischen dazu geäußert: Von“ jede Änderung ist ein grober Verstoß“ über „Trommeltanz ist möglich, muss aber beantragt werden“ bis „liegt im Rahmen seiner Freiheiten, gar kein Verstoß“ ist alles dabei.

Trommeltanz: früher verboten, heute Weltkulturerbe

Der Trommeltanz wurde im vergangenen Jahr von der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Die Kirche hatte diese Praxis im Zuge der Missionierung Grönlands verboten – ebenso, wie sie versuchten, den Samen ihre Trommeln zu verbieten.

Inzwischen wird sowohl das frühere kirchliche als auch das frühere staatlich-dänische  Wirken in Grönland immer kritischer gesehen. So fiel die offizielle 300-Jahr-Feier für die Ankunft des Missionars Hans Egede in Grönland im vergangenen Jahr aus.

Da die Ursache für Pastors Olsens Suspendierung nicht offen genannt wird, kann es sich selbstverständlich auch um etwas ganz anderes gehandelt haben. Möglicherweise war die Predigt auch zu politisch – diese Vermutung wird in  Facebook-Kommentaren bei KNR geäußert. Eine aufmerksame Zuhörerin hatte gegenüber KNR auch darauf verwiesen, dass Olsen die königliche Familie mit keinem Wort erwähnt habe. Geht es jedoch tatsächlich um den Trommeltanz in der Kirche zum Nationaltag, wäre dies ein Politikum und eine Nagelprobe für die Institution Kirche in Grönland.

Update 21 Uhr: In einem Interview mit Sermitsiaq hat Pastor Markus E. Olsen inzwischen die vermuteten Ursachen für seine Suspendierung bestätigt: der Trommeltanz, die fehlende Segnung der Königin und seine Aufforderung an die Inuit, sich um sich selbst zu kümmern.

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