Covid-19: Der schwedische Weg vor der Bewährungsprobe Ostern

Schweden. Der „schwedische Weg“ in der Corona-Krise wird von allen Seiten misstrauisch beäugt. Ob es in Schweden tatsächlich reicht, die Mitbürger zu zweckmäßigem Verhalten zu ermahnen, statt Verbote zu verhängen, wird sich spätestens an Ostern zeigen. Regierung und Fachbehörden rufen dazu auf, zuhause zu bleiben. Der größte Skiliftbetreiber Skistar erleichtert den Schweden nun die Entscheidung: In Sälen, Vemdalen und Åre ist am  6. April Schluss. Update 16 Uhr.

Lift Riksgränsen

Von Ostern im Fjäll wird abgeraten – werden sich die Schweden daran halten?

Bilder von belebten Skiorten und vollen Kneipen in Stockholm gingen um die Welt, dürften aber inzwischen der Vergangenheit angehören. Neue Richtlinien für Bewirtungsbetriebe und das vergangene Woche verschärfte Versammlungsverbot für mehr als 50 Personen haben die Daumenschrauben auch für jene etwas angezogen, die nicht schon freiwillig Maßnahmen ergriffen oder Events eingestellt haben. Gestern ist ein Besuchsverbot für Seniorenheime dazugekommen. Das war auf lokaler Ebene zwar größtenteils schon verhängt worden. Die Maßnahme von ganz oben soll nun auch die letzten dazu bringen und für eine größere Akzeptanz bei den abgewiesenen Besuchern sorgen.

Skiorte wollen keine Covid-19-Fälle aus Stockholm

Dass schwedische Skilifte noch offen haben, während sie in Norwegen und Finnland längst still stehen, stieß im Ausland auf Verwunderung. Auch in den Skiorten selbst gibt es dazu Diskussionen. Denn die Krankenversorgung der Regionen ist auf die lokale Bevölkerung und gelegentliche Knochenbrüche auf der Piste ausgerichtet, nicht aber auf massenhaft Patienten, bei denen plötzlich Covid-19 ausbricht. Die meisten Skihungrigen, die es normalerweise zu Ostern ins Fjäll zieht, würden jetzt aus der Region Stockholm kommen, wo sich das Sars-CoV-2-Virus schon kräftig verbreitet hat. Jämtland-Härjedalen, die Region, in der Åre und Vemdalen liegen, hat bereits bestätigte 81 Infizierte und damit einen vergleichsweise hohen Anteil im Vergleich zur Einwohnerzahl.

Schwedische Regierung wirbt für „zuhause bleiben“

Bei der gestrigen Pressekonferenz warb Premierminister Stefan Löfvén erneut darum, Ostern zuhause zu bleiben und nicht zu verreisen. Einzelne Akteure hatten bereits freiwillig erklärt, die Saison vorzeitig zu beenden und über Ostern zu schließen, beispielsweise die Skianlage Galtis in Arjeplog, die seit Sonntag dicht ist. Nun erklärte der größte Skilift-Betreiber Skistar, die Anlagen würden am 6. April und damit vor Ostern geschlossen. Explizit wird erwähnt, es handele sich um einen Rat der Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten). Skistar betreibt Lifte in Sälen, Vemdalen und Åre. Weitere Skiorte haben sich dem angeschlossen, unter anderem Idre, Hemavan, Tärnaby und Jäckvik. Damit fällt es den Bürgern möglicherweise leichter, den Aufforderungen der Regierung zu folgen. Aus Riksgränsen und Björkliden gab es bisher keine Signale zur freiwilligen Schließung.

Update 14 Uhr: Heute wurden neue Anweisungen der Gesundheitsbehörde vorgestellt, die darauf abzielen, dass überall Abstand gehalten wird – in Geschäften, am Arbeitsplatz sowie in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Betreiber dürfen z.B. nicht aus Kostengründen Fahrten einsparen mit dem Ergebnis, dass Leute wieder gedrängt stehen und sitzen. Für Schulen gibt es ein eigenes Regelwerk. Auch von kleineren Veranstaltungen mit Menschenansammlungen und Reisen wir massiv abgeraten. Das betrifft auch private und kirchliche Feiern.

Update 16 Uhr: Die Fähre nach Gotland, einem anderen beliebten Osterziel, hat ihre buchbaren Plätze halbiert und die Zahl der Abfahrten verringert. Mehr als 6000, so berichtet SVT, haben außerdem das Angebot angenommen, gegen einen Gutschein von 500 Kronen umzubuchen oder abzusagen.

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