Covid-19: Ermahnungen in Schweden, isolierte Hauptstadt in Finnland

Schweden/Finnland. Der österreichische Skiort Ischgl hat einen zweifelhaften Ruf als Corona-Virenschleuder bekommen – und manche befürchten, das schwedische Åre könnte ihm nachfolgen. Auch in Schweden ist allerdings längst nicht mehr alles erlaubt. Schweden setzt allerdings weiterhin hauptsächlich auf Ermahnungen. In Finnland wird dagegen sogar die Hauptstadtregion abgeriegelt, da dort die meisten Covid-19-Infektionen vorkommen.

Ski

Bretter, die Winterfreuden bedeuten!

Skifreuden in Zeiten von Corona? Weder in Norwegen noch in Finnland ist das noch möglich. Sämtliche Lifte sind dort geschlossen. Schwedische Skiorte befürchteten, es würde ihnen ähnlich gehen, nachdem es acht Covid-19-Fälle in Åre gab und zumindest einige davon auf Après-Ski zurückgehen. Lifte, in denen man keinen Abstand halten kann, wurden geschlossen, Après-Ski gibt es nicht mehr. Beim Anstehen am Lift muss Abstand gehalten werden. Mit diesen und weiteren Maßnahmen gelang es den Skiorten, eine Schließung zunächst abzuwenden.

STF schließt 44 Berghütten

Wer auf Tourenskiern ins Fjäll wollte, hat allerdings schlechte Karten: Die schwedische Tourismusorganisation STF kündigte gestern Abend an, 44 Hütten ab Montag, 30. März, zu schließen. Damit sollen die Leute, die noch unterwegs sind, sicher zurückkehren können. Bisher habe es nicht viele Gäste gegeben, so der STF-Generalsekretär gegenüber SVT, doch das hätte sich vermutlich vor Ostern geändert. Offen bleiben die acht großen Bergstationen Grövelsjön, Saltoluokta, Abisko, Kebnekaise, Storulvån, Helags, Blåhammaren und Sylarna. Dort sei genug Platz, um Abstand zu halten, und es wird noch häufiger gereinigt.

Gute Ratschläge und Feldlazarette

Abisko Tourist

Bleibt offen: Abisko Turiststation (Archivfoto)

Verschärft wurden in Schweden die Regeln in der Gastronomie: Essen darf nur noch an Tischen serviert werden. Gedränge an der Theke und überhaupt soll es nicht mehr geben. Essen zum Mitnehmen darf aber ausgegeben werden. Darüber hinaus setzt Schweden weiter darauf, dass die Bürger die Ratschläge befolgen, die ihnen die staatliche Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten) seit Wochen predigt. Der erste davon heißt „Geh nicht zur Arbeit, wenn du krank bist“. Es wird davon abgeraten, ältere Menschen persönlich zu besuchen. Und inzwischen wird auch von Reisen innerhalb des Landes abgeraten, denn die meisten Infizierten befinden sich im Süden, vor allem im Großraum Stockholm. Um die erwarteten zusätzlichen Krankheitsfälle versorgen zu können, wurden nun in Stockholm und Göteborg Feldlazarette aufgebaut, ein weiteres soll nach Skåne. Wie überall sind aber Personal und Schutzausrüstung knapp.

Geteilte Meinungen zu den Einschätzungen der Behörde

Die staatliche Gesundheitsbehörde hat eine starke Stellung in Schweden. Anders als in vielen anderen Ländern herrscht in Schweden auch noch kein  Ausnahmezustand. Es gibt jedoch geteilte Meinungen über die Einschätzungen und Ratschläge des obersten Epidemiologen, Anders Tegnell, der praktisch täglich in den Medien zu sehen ist. 2000 schwedische Wissenschaftler fordern nun die Regierung auf, schärfere Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen, und mehr zu testen. Tegnell betont stets, die Maßnahmen müssten auch über längere Zeit durchzuhalten sein. Verschärfungen wollte er aber nicht grundsätzlich ausschließen. Möglicherweise ist dieser Zeitpunkt nun gekommen: Gestern Abend meldete Stockholm 18 Tote an einem Tag.

Finnland riegelt Helsinki und ganz Uusimaa ab

Finnland hat bisher eine vergleichsweise geringe Menge infizierte und erst drei Tote. Die meisten Fälle finden sich jedoch in der Hauptstadt Helsinki und das Gebiet darum herum, Uusimaa/Nyland. Das soll sich nicht auf den Rest des Landes ausbreiten, hat die Regierung nun beschlossen. Finnland wird morgen bis zum 19. April in zwei Zonen geteilt. Es gibt eine Reihe Ausnahmen – Vergnügungsreisen gehören allerdings nicht dazu.

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