Bodø bewirbt sich als europäische Kulturhauptstadt 2024

Bodø (Norwegen). Die Stadt Bodø in Nordnorwegen hat gestern ihre Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2024 in Brüssel vorgestellt. Sie wäre die erste Kulturhauptstadt nördlich des Polarkreises. Darüber berichtete NRK.

Bodø

Bodø. Foto Dagmar Hemmie

In der Bewerbung setzt Bodø, eine Kommune mit knapp 52 000 Einwohnern, auf seine einzigartige Lage. Das Motto ist „Arcticulation“ und soll alles mit einschließen: die äußeren Bedingungen und wie man ihnen trotzt, durch Kommunikation, Kultur, Gemeinschaft, von „kalt“ zu „cool“. Die Hauptstadt des Fylke Nordland will mit ihrer Bewerbung aber auch den Blick Europas auf den Norden generell lenken. Andere nordnorwegische Orte sollen mit eingebunden werden. Schließlich gibt es dort bereits zahlreiche Angebote. Das Titelblatt der Bewerbung ziert eine Aufnahme von Spencer Tunick, der jüngst in Bodø eines seiner Fotoshootings abhielt: Bodø Bodyshape.

Bodø will den Prozess und den Titel aber auch zur eigenen Erneuerung nutzen: Wieder einmal muss die Stadt sich umstellen, die Basis der Luftwaffe zieht nach Evenes. Das ermöglicht die Verlegung der Landebahn und die Entwicklung eines neuen Stadtteils. Das braucht aber auch Ideen und Menschen, die sie leben wollen. Bodø leidet unter der Abwanderung  junger Leute, insbesondere von Frauen.

Chance für Nicht-EU-Land Norwegen 2024

Kulturhaupstadt

Bisherige Kulturhauptstädte Europas. Quelle: Maximilian Dörrbecker (Chumwa) , Kartenbasis Alexrk2, CC BY-SA 2.0, Wikimedia

Der Titel der europäischen Kulturhauptstadt wird jedes Jahr von der EU vergeben. Ziel ist, die Vielfalt und die kulturellen Gemeinsamkeiten innerhalb Europas besser bekannt zu machen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Seit 2004 bekommen immer mindestens zwei Städte den Titel. Die Vergabe ist inzwischen stark reglementiert und quotiert. Alle drei Jahre können sich auch Länder bewerben, die zwar nicht Mitglieder der EU, aber Beitrittskandidaten oder Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes sind. So waren schon Bergen, Stavanger und Reykjavik Kulturhauptstädte. Die nächste Chance dafür ist 2024. Es steht bereits fest, dass eine Stadt aus Österreich und eine Stadt aus Estland dann die europäische Kultur repräsentieren soll. Dazu soll eine dritte kommen – und dafür bewirbt sich Bodø.

Die Begeisterung dafür bei der norwegischen Regierung ist nicht so groß, wie man es vermuten würde. Kultusministerin Trine Skei Grande hatte es abgelehnt, die Bewerbung finanziell unterstützen, weil sie den Kriterien nicht genüge. Da hatte sie allerdings noch gar nicht die Endfassung gesehen. Politiker und Journalisten aus Nordnorwegen vermuten andere Gründe, wie NRK berichtet: Ein Erfolg Bodøs würde die Chancen Trondheims in der nächsten Runde zunichte machen. Die Ministerin sei dem Trøndelag stärker verbunden. Bodøs Bürgermeisterin Ida Pinnerød fuhr trotzdem mit der Bewerbung nach Brüssel.

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