Hanhikivi und Olkiluoto 3: Atomkraft mit Verspätung

Finnland. Die beiden neuen Atomkraftwerke in Finnland hinken weiter den Zeitplänen hinterher. Die staatliche Aufsichtsbehörde bemängelt die Prozesse beim geplanten AKW Hanhikivi südlich von Oulu. Und auch der Start des fast fertigen Olkiluoto 3 in Südfinnland verschiebt sich wieder. Darüber berichtete Yle.

Hanhikivi

So soll das Atomkraftwerk in Hanhikivi aussehen. Foto/Visualisierung Fennovoima

Bei Olkiluoto 3 haben Verspätungsmeldungen schon Tradition. Das Projekt des finnischen Betreibers TVO wird bekanntlich mit dem französischen Atomkonzern Areva und Siemens für den konventionellen Kraftwerksteil umgesetzt und sollte eigentlich schon vor zehn Jahren fertig sein. Letzter Stand war ein Produktionsbeginn im September 2019. Doch auch daraus wird nichts:  Betreiber TVO teilte mit, dass die geplanten Tests der Lieferanten nicht nach dem bisherigen Zeitplan durchgeführt werden konnten. Die finalen Prüfungen werden voraussichtlich nun erst im Dezember 2019 stattfinden. Immerhin hat man im Frühjahr nun die Strafzahlungen für die Verspätungen geregelt: Areva und Siemens müssen zunächst insgesamt 450 Millionen Euro bezahlen. Wenn das Projekt nicht bis Ende 2019 fertig ist, werden bis zu 400 Millionen Euro zusätzlich fällig. Yle berichtete damals auch von einem ganz besonderen Ranking: Olkiluoto 3 ist darin das zweitteuerste Gebäude der Welt.

Trotzdem setzte Finnland weiter auf Atomkraft. Es begann der Planungsprozess für ein Projekt auf der Halbinsel Hanhikivi, bei Pyhäjoki, südlich von Oulu. Mehrere finnische Energieversorger und Unternehmen schlossen sich dafür zusammen. Doch es geht von beginn an anders als geplant, nicht zuletzt wegen Fukushima. Die deutsche EON stieg deshalb als atomarer Partner aus, als neuer wurde RAOS, eine Tochterfirma der russischen Rosatom, die auch mit 34 Prozent bei der Betreiberfirma Fennovoima einstieg.

Hanhikivi

Fußgängertunnel in Tornio: In der Bevölkerung ist der Bau des neuen Atomkraftwerks in Hanhikivi und die russische Beteiligung umstritten.

Die staatliche finnische Atomaufsichtsbehörde  hat nun in ihrem jüngsten Bericht kritisiert, es gebe keine sichtbaren Verbesserungen in der Haltung von Fennovoima zu Sicherheitsfragen. Darüber berichtete auch Yle News. Schon zuvor hatte die Behörde von Problemen gesprochen. Dabei ging es unter anderem um Strukturen und Abläufe, die die Behörde schon vorab geklärt haben möchte. Es gibt noch keine Baugenehmigung für das Kraftwerk, die wird erst 2020 erwartet. Die Arbeiten für die Infrastruktur und andere Bauten in der Umgebung haben jedoch schon vor einem Jahr begonnen.

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