Bahn in Norwegen: Betreiberwechsel mit Corona-Handicap

Norwegen. Es sind nicht die besten Zeiten für einen Bahn-Betreiber, erst recht nicht für einen neuen. Ab heute übernimmt SJ sieben Bahnstrecken in Norwegen, inklusive der Nachtzüge Oslo-Trondheim und Trondheim-Bodø. Andere Nachtzüge in Norwegen sind zurzeit aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt.

Bahn Norwegen

Die alte Vy- und NSB-Optik wird schrittweise dem neuen Logo weichen.

SJ Norge, die norwegische Tochter der schwedischen Staatsbahn, gewann im vergangenen Jahr die Ausschreibung über sieben norwegische Bahnstrecken, darunter die Dovrebanen (Oslo-Trondheim) und die Nordlandsbanen (Trondheim-Bodø). Sie will mit einem geringeren Budget auskommen als zuvor die norwegische Staatsbahn Vy ( ehemals NSB). 99 Züge und das Personal wurden übernommen. SJ Norge beginnt mit einem reduzierten Angebot, die Züge dürfen auch nur zur Hälfte gefüllt werden, damit die Fahrgäste Abstand halten und sicher vor Ansteckung reisen können. Auch der Neuling auf der Strecke erhält deshalb bereits Mittel aus dem norwegischen Krisenfonds.

Vy und Go Ahead lassen zurzeit keine Nachtzüge fahren

Bodø Bahnhof

Bodø ist täglich mit dem Nachtzug aus Trondheim zu erreichen.

Aufgrund der Coronakrise haben alle Bahnen massiv an Fahrgästen verloren – natürlich auch in Norwegen. Ausländische Touristen dürfen dort auf absehbare Zeit auch nicht einreisen. Wie NRK berichtet, verzichten derzeit sowohl Vy (Oslo-Bergen) als auch Go Ahead (Oslo-Stavanger) mangels Nachfrage auf Nachtzugverkehr. Neuling SJ Norge startet ambitioniert: Zwischen Oslo und Trondheim sollen freitags und sonntags Nachtzüge fahren, zwischen Trondheim und Bodø sogar täglich. Gegenüber TU bedauerte die Geschäftsführerin, dass man nur 20 Schlafwagen von Norske Tog bekommen habe – sie sehe großes Potenzial in dieser umweltfreundlichen Verkehrslösung. Die sieben von SJ Norge bedienten Strecken werden unter der Marke Nord bedient. Sie umfassen mehr oder weniger alle nördlichen Linien des norwegischen Bahnnetzes, das bekanntlich in Bodø endet. Der neue Markenname wird aber erst nach und nach auf den Waggons erscheinen. Der Vertrag geht über zehn Jahre. Es gab Kritik an der Ausschreibung, als bekannt wurde, wie sehr die beiden Bewerber Vy und SJ gegeneinander ausgespielt und im Preis gedrückt wurden – und ursprünglich hatte die norwegische Vy sogar das günstigere Angebot.

Im Dezember steht dann in Schweden ein ähnlicher Vorgang unter umgekehrten Vorzeichen an: Vy übernimmt den Nachtzug Stockholm-Narvik.

Früherer Artikel zum Thema:

Norwegische Staatsbahn verliert sieben Strecken an SJ

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