Anti-Uran-Demos zum Neustart in Grönland

Grönland. Die neue Regierung (Naalakkersuisut) von Kim Kielsen ist im Amt. Demonstranten erinnerten deshalb in Nuuk und Narsaq an das Thema, über das das neue Parlament zu entscheiden haben wird: die geplante Mine Kvanefjeld in Südgrönland, wo neben Seltenen Erden auch Uran abgebaut werden soll. Darüber berichteten Sermitsiaq.AG und KNR.

Kvanefjeld

Lage von Kvanefjeld in Südgrönland. Karte mit Hilfe von stepmap

Dass in Kvanefjeld (grönländisch Kuannersuit) in der Nähe von Narsaq in Südgrönland Uran liegt, ist schon lange bekannt. Auch Dänemark träumte einmal den Atom-Traum, entschied sich aber dagegen. 1988 wurde beschlossen, dass das Uran dort bleiben soll, wo es ist.

Als Grönland 2009 einen neuen Selbstverwaltungs-Status bekam, war das Thema wieder auf der Tagesordnung. Denn Grönland durfte nun selbst über die Verwendung seiner Rohstoffe entscheiden. Bergbau sollte und soll dem Land Arbeitsplätze und Einnahmen bringen. Zu den Rohstoffen zählen Edelsteine, die sogenannten Metalle Seltener Erden – und eben auch Uran.  Kvanefjeld zählt zu den ganz großen Vorkommen für Seltene Erden, besonders begehrt in der High-Tech-Industrie, und auch für Uran.

2013 kippte das grönländische Parlament mit Ein-Stimmen-Mehrheit das Abbauverbot für Uran. Die Frage spaltete nicht nur die grönländische Gesellschaft, sondern weckte auch Dänemark. Denn für Außenpolitik und Verteidigung Grönlands sind immer noch die Dänen zuständig – und der Export von Uran in die falschen Hände höchst unerwünscht. 2016 einigten sich Grönland und Dänemark auf ein Verfahren dafür.

Kvanefjeld

Seltenes Gestein aus Kvanefjeld – Villiaumitic lujavrite. Foto James St. John, CC BY 2.0

Für Kvanefjeld gibt es einen konkreten Interessenten, der dort auch schon viel investiert hat: die australische Greenland Minerals and Energy Ltd. Ein Entwurf ihres noch vertraulichen Umweltverträglichkeitsplanes wurde vor einem Jahr von grönländischen und dänischen Umweltverbänden veröffentlicht und als unzureichend kritisiert – unter anderem die Lagerung der Abfälle in einem nahen See, der zusätzlich eingedämmt werden soll. Später verlangte auch die grönländische Regierung selbst Nachbesserungen. Auch eine Studie zu den sozialen Folgen soll es geben. Weil es in Grönland praktisch keine Fachleute für Bergbau gibt, werden diese aus dem Ausland kommen müssen. In dem geleakten Entwurf, über den auch Danmarks Radio berichtete, war die Rede von 800 Arbeitsplätzen, darunter 325 für Grönländer.

Was in Dänemark zusätzlich für Stirnrunzeln sorgen dürfte, sind die Partner, die Greenland Minerals and Energy eingestiegen sind: die chinesische Shenghe Ressources Holding. Die zunehmende Präsenz chinesischer Unternehmen im für die NATO strategisch wichtigen Grönland wird nicht nur in Kopenhagen kritisch gesehen.

Uran-Abbau-Gegner wollen Volksabstimmung

Der vollständige Antrag für den Betrieb der Mine wird irgendwann demnächst vorliegen. Gegner des Projektes sind deshalb höchst beunruhigt, was dazu im Koalitionsvertrag steht: Die neue Regierung aus der sozialdemokratischen Siumut und drei kleinen Parteien zeigt sich darin offen für „Uranbbau als Nebenprodukt“ – wie in Kvanefjeld geplant. Die Demonstranten fordern eine Volksabstimmung zum Thema. Der neue Minister für Rohstoffe, Vittus Qujaukitsoq, sagte zu ihnen laut KNR, man werde nichts über die Köpfe hinweg entscheiden, wollte auf Nachfrage der Reporterin aber keine Garantien für irgendetwas abgeben. Der Antrag läge noch nicht vor.

Dass Vittus Qujaukitsoq, Gründer der neuen Partei Nunatta Qitornai, nun Minister wurde und seinen Sitz im Parlament aufgegeben hat, machte übrigens den Weg frei für Ex-Premier Aleqa Hammond, doch noch dort einzuziehen. Sie hatte 2013 mit dem Versprechen auf gutes Einkommen durch Rohstoffabbau die Wahl gewonnen. Sie wurde zur neuen Vorsitzenden des Außenpolitik- und Sicherheitsausschusses gewählt. Aleqa Hammond sitzt außerdem als Vertreterin Grönlands im dänischen Folketing.

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