Knappe Wahl in Schweden – Vorsprung für rechts-konservativen Block

Schweden. Die Moderaten mögen bis zum Schluss gehofft haben, dass es nicht so kommt. Doch die Umfragen haben recht behalten: Es haben mehr Leute die Schwedendemokraten gewählt als die Moderaten. Wie vorhergesagt ist auch der Unterschied zwischen den Blöcken so hauchdünn, dass die letzten ausgezählten Stimmen die Regierungsfrage entscheiden können. Dazu gehören die vorab abgegebenen Stimmen und die Stimmen der Schweden im Ausland.  Nach jetzigem Stand hat der rechts-konservative Block mit dem moderaten Spitzenkandidaten Ulf Kristersson die Nase vorn. Dessen Zugewinn beruht ausschließlich auf den Stimmen der Schwedendemokraten.

Schweden

Die Schweden haben gewählt.

So sieht die vorläufige Stimmenverteilung aus (Stand 6.30 Uhr, Ergebnis 2018 in Klammern)

Partei der bisherigen Premierministerin Magdalena Andersson und potenzielle Kooperationspartner:

  • Sozialdemokraten: 30,5 (+2,2)
  • Linkspartei: 6,6 (-1,4)
  • Zentrumspartei: 6,7 (-1,9)
  • Grüne Miljöpartiet: 5 (+0,6)

Insgesamt 174 Sitze

Potenzielle Kooperationspartner der früheren Opposition

  • Schwedendemokraten: 20,6 (+3,1)
  • Moderate: 19,1 (-0,7)
  • Christdemokraten: 5,4 (-0,9)
  • Liberale: 4,6 (-0,9)

Insgesamt 175 Sitze

Quellen: Valmyndigheten, SVT

Spannend bis zum Schluss

Wie schon bei den Umfragen vorab blieb es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sowohl die grüne Umweltpartei (Miljöpartiet) als auch die Liberalen dürften aber zunächst einmal froh sein, dass sie überhaupt wieder ins Parlament einziehen. Denn sie hatten in den Umfragen zeitweise unter der Vier-Prozent-Hürde gelegen. Dabei dürfte vor allem Miljöpartiet zuletzt auch Leihstimmen von anderen Parteien aus dem rot-grünen Block erhalten haben, damit diese wichtigen, möglicherweise entscheidenden Prozente nicht verlorengehen.

Hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war hoch, und viele standen stundenlang vor dem Wahllokal. Jeder, der zur offiziellen Schließungszeit um 20 Uhr noch in der Schlange stand, sollte noch seine Stimme abgeben dürfen, und im Stockholmer Bahnhof war dies nach 22 Uhr. Briefwahl gibt es in Schweden nicht, aber man kann schon vorher seine Stimme abgeben – in Rathäusern, Bibliotheken und vielen anderen günstig gelegenen Orten. Auch das haben sehr viele getan. Das Wahllokal, in dem die meisten Stimmen vorab abgegeben wurden, ist übrigens die Luleå Energi Arena, eine Sporthalle. Auf Platz zwei kam die Stadtbibliothek in Göteborg.

Klare Positionen

Auch wenn das Ergebnis in vielen Punkten der Wahl 2018 ähnelt, so waren die Voraussetzungen diesmal jedoch ganz anders: Es war diesmal klar, dass Moderate, Christdemokraten und Liberale mit den Schwedendemokraten zusammenarbeiten werden, wenn sie gemeinsam eine Mehrheit bekommen.

Es ist außerdem klar, dass die Zentrumspartei aus der Gruppe der früheren bürgerlichen Allianzsparteien ausgeschert ist und für diese auch nicht zur Mehrheitsbeschaffung zur Verfügung steht. Die Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten ist für die Vorsitzende Annie Lööf eine rote Linie, die mit ihr nicht überschritten wird.

Die leichten Stimmenverluste für Liberale und Zentrum dürften darauf zurückzuführen sein, dass ihre Wählerschar eben nicht komplett hinter diesem neuen Kurs steht.

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