Grönland/Dänemark/USA. Heute um 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen sich die Außenminister Dänemarks, Grönlands und der USA im Weißen Haus in Washington. Dabei zwingen die Übernahmedrohungen die grönländische Regierung aktuell dazu, Differenzen mit Dänemark und das Streben nach Selbstständigkeit kleinzuhalten. „Jetzt sind wir mitten in einer geopolitischen Krise, und wenn wir hier und jetzt zwischen den USA und Dänemark wählen müssen – wählen wir Dänemark“, sagte Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen.
Es vergeht inzwischen kaum ein Tag, an dem US-Präsident Donald Trump oder einer seiner Vertrauten die Absichten gegenüber Grönland nicht in irgendeiner Weise wiederholen und ausbauen. Diese Rhetorik hatte bekanntlich schon vor Trumps offiziellem Amtsantritt am 20. Januar begonnen und dauern somit nun schon ein Jahr an. Angesichts dieser Drohungen hatte der damalige Regierungschef Múte B. Egede (Inuit Ataqatigiit) die anstehenden Wahlen auf den frühestmöglichen Termin gelegt, um den grönländischen Aktionen einen breiten Rückhalt aus der Bevölkerung zu verschaffen. Sein Nachfolger Jens-Frederik Nielsen (Demokraatit) sammelte aus demselben Grund ein breites Bündnis aus vier Parteien in der Regierung, nur die Selbstständigkeitspartei Naleraq gehört ihr nicht an.
Grönländische Politiker einig gegen Übernahme
In Bezug auf Donald Trumps Übernahmepläne wiederholten Egede wie Nielsen dabei immer dieselben Punkte: Zusammenarbeit mit den USA – ja, gerne. Aber Grönland stehe nicht zum Verkauf, und nur die Grönländer bestimmten über Grönlands Zukunft. Grönländer wollten weder Dänen sein noch Amerikaner werden. Diese Punkte werden auch in der jüngsten Erklärung wiederholt, die alle fünf Parteispitzen, auch Pele Broberg von Naleraq, gemeinsam verfassten. Explizit wehrt man sich darin gegen den Druck von außen und verweist auf das internationale Recht. Man erklärt außerdem, noch engeren Dialog mit den Aliierten und Zusammenarbeitspartnern zu suchen. Betont wird außerdem die Absicht, die Rechte und die Sicherheit des grönländischen Volkes zu wahren.
Wunsch nach Selbstständigkeit gleich Anschein von Machtvakuum?
Der ehemalige grönländische Politiker Aqqaluk Lynge hatte jüngst davor gewarnt, in der aktuellen Krise allzu sehr auf die Selbstständigkeit zu pochen und Differenzen mit Dänemark zu pflegen. Dies könne bei den USA den Eindruck erwecken, es gebe ein Machtvakuum, das es zu nutzen gelte. Die gemeinsame Erklärung der fünf Parteispitzen hält er sogar für „außenpolitisches Öl ins Feuer“.
Klares Bekenntnis zu Dänemark
Tatsächlich setzte Nielsen nun vor dem schicksalsträchtigen Treffen der Außenminister einen anderen Schwerpunkt. Gestern hielten Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen und Jens-Frederik Nielsen eine gemeinsame Pressekonferenz, bei der sie demonstrativ Einigkeit zeigten, und Nielsen sich explizit zur „Rigsfællesskab“, der Ländergemeinschaft des Königreichs Dänemark bekannte:
„Jetzt sind wir mitten in einer geopolitischen Krise, und wenn wir hier und jetzt zwischen den USA und Dänemark wählen müssen – wählen wir Dänemark. Wir wählen NATO. Wir wählen EU. Es ist nicht die Zeit für interne Diskussionen. Es ist Zeit, zusammenzustehen und an der Gemeinschaft zu bauen, die wir kennen und wünschen.“
An dem Treffen im Weißen Haus nehmen Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen, seine grönländische Kollegin Vivian Motzfeldt, US-Außenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident JD Vance teil.
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