Video zeigt brutale Szenen des Blutstuten-Geschäfts auf Island

Island. Die deutsche Tierschutzorganisation  Animal Welfare Foundation (AWF) und der Tierschutzbund Zürich haben auf Island ein Video gedreht, das dort eingeschlagen hat wie eine Bombe.  Denn es zeigt Island als das “Land der 5000 Blutstuten”, und bei den verdeckt gefilmten Blutabnahmen geht es brutal zu. Aus dem Blut wird anschließend das Hormon PMSG für die Schweinezuchtindustrie gewonnen wird. Darüber berichteten RÚV und Iceland Review.

Blutstuten

Screenshot aus dem Video Iceland – Land of the 5000 Bloodmares der Animal Welfare Foundation und des Tierschutzbunds Zürich

 Das Hormon PMSG wird nur von trächtigen Stuten produziert. Diesen wird im Herbst jede Woche fünf Liter Blut abgenommen, je nach Informationsquelle fünf bis acht oder zehn Mal hintereinander. Verarbeitet wird das Blut beim isländischen Biotechnologieunternehmen Ísteka. Das Produkt mit dem Hormon trächtiger Stuten wird dazu genutzt, den Hormonhaushalt von Zuchtsauen zu stimulieren, die dann berechenbarer und mehr Ferkel bekommen. Es wird größtenteils exportiert. Ísteka wirbt damit, dass dies den Stuten nicht schade und dass es Tierschutzvereinbarungen mit den Landwirten gebe. Die Praxis gibt es auf Island offenbar schon seit Jahrzehnten. Damit lässt sich Geld verdienen, zum Beispiel als Zubrot für Landwirte oder Pferdezüchter. Da nur trächtige Stuten dieses Hormon besitzen, gibt es dann auch jedes Jahr Fohlen, von denen zumindest ein Teil in der Schlachterei landet. 5383 Stuten von 119 Höfen sind laut des isländischen Lebensmittel-und Veterinärbehörde als “Blutstuten” gemeldet.

Video zeigt brutalen Umgang mit den Blutstuten

Das Video ist teilweise mit versteckter Kamera gedreht und harte Kost. Die Szenen der Blutabnahme haben keine Ähnlichkeit mit denen aus dem Video bei Ísteka. Die Stuten laufen keineswegs locker und freiwillig in den engen Stand. Sie haben sichtlich Angst, werden geschlagen, auch mit Gegenständen, und von Hunden getrieben. Sie werden festgebunden, damit sie stillhalten, der Kopf in ungesunder Stellung. Ob die Injektionsnadeln immer desinfiziert werden, ist auch fraglich.

Behörde und Ísteka versprechen Kontrolle und Aufarbeitung

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde will die Vorfälle untersuchen. Die zuständige Pferdetierärztin sagte zu RÚV, das Video entspreche nicht dem, was die Behörde bei den Kontrollen vorfinde – wollte aber nicht aussschließen, dass es solche Fälle gebe. Sie verwies allerdings darauf, dass die Verantwortung bei den Haltern und bei Ísteka liege. In fünf Fällen hatten Behördenvertreter in der Vergangenheit die Aktivitäten gestoppt. Die Fälle kamen allerdings nicht zur Anzeige. Ísteka veröffentlichte auf seiner Facebookseite in Isländisch und Englisch, man verurteile die gezeigten Praktiken. Diese entsprächen nicht den vom Unternehmen empfohlenen hohen Tierschutz-Standards. Man werde eine interne Untersuchung anstellen.

Animal Welfare Foundation (AWF) und der Tierschutzbund Zürich haben auch auf Blutfarmen in Südamerika und auf einen Fall in Deutschland aufmerksam gemacht. Verwendet wird das Hormon hauptsächlich in der internationalen industriellen Schweinezucht. In der ökologischen Tierzucht ist der Einsatz von PMSG nicht erlaubt.

Das besprochene Video gibt es bei Youtube.

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1 Antwort zu Video zeigt brutale Szenen des Blutstuten-Geschäfts auf Island

  1. Frank Seliger sagt:

    Die Bilder aus Island über die tierquälerischen Behandlungen der Stuten sind entsetzlich und verstörend, zumal man solche Zustände auf Island nie erwartet hätte. Hoffentlich legt man den Akteuren schnell das Handwerk, der Ruf Islands als pferdefreundliches Land ist wohl für alle Zeiten zerstört. Zumal diese grausame Behandlung völligunsinnig erscheint, Schweine bekommen auch auf natürlichem Wege eine Menge Ferkel. Aber es erweist sich auch erneut, wenn man in den einzelnen Ländern genauer hinschaut findet man überall Tierquälerei, z.B. die grenzüberschreitenden Tiertransporte von Deutschland aus südwärts, ohne das Behörden wirksam eingreifen.

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