Ermittler zum Palme-Mord: Es war der „Skandiamann“

Stockholm (Schweden). Der endgültige Beweis für den Palme-Mord wurde nicht vorgelegt. Die Palme-Ermittlungsgruppe präsentierte in ihrer Pressekonferenz Stig Engström, in den Medien besser bekannt als „der Skandiamann“ („Skandiamannen“) als wahrscheinlichen Mörder Olof Palmes. Da Stig Engström bereits verstorben ist und auch mit heutiger Technik das vorliegende Beweismaterial nicht besser ausgewertet werden kann, wird man möglicherweise auch nie weiter kommen als zu diesem Punkt. Staatsanwalt Krister Petersson stellte die Ermittlungen deshalb ein. Er und der Leiter der Ermittlungsgruppe, Hans Melander, zeigten sich in der Pressekonferenz allerdings ziemlich überzeugt davon, richtig zu liegen. (Überblick zum Palme-Mord hier)

Sie glauben, den Mörder von Olof Palme gefunden zu haben: Hans Melander, links, Leiter der Ermittlungsgruppe, und Staatsanwalt Krister Petersson. Quelle: Screenshot aus der digitalen Pressekonferenz

Stig Engström wurde zwar während der ersten Ermittlungen von der Polizei verhört, aber niemals ernsthaft als Täter in Betracht gezogen. Er arbeitete damals im Skandiahuset, Sveavägen 44, für das gleichnamige Unternehmen als Grafiker und war an dem Abend auch in der Nähe des Tatortes. In der Pressekonferenz schildert Petersson, wie alle Zeugenaussagen einen flüchtenden Mann im Mantel beschreiben und zueinander passen – nur die Aussagen Engströms nicht, der eben dieser Mann im Mantel war. Engström suchte selbst den Kontakt zu den Medien und zur Polizei und machte dort Aussagen, die sich nicht bestätigen ließen und von ihm ablenkten. Mit dem gegen ihn schon damals vorliegenden Material hätte man ihn verhaften und Beweismaterial sicherstellen können, meinte Petersson. Doch die damalige Ermittlungsgruppe unter Polizeichef Hans Holmér hielt diese Spur nicht für wichtig – Holmér verfolgte die PKK-Spur. Die Stig-Engström-Spur wurde im Februar 1987 ad acta gelegt. Wenig später trat Holmér von seinem Posten zurück und begann, Krimis zu schreiben.

Keine konkreten technischen Beweise

So unklar wie die letzten Details ist auch das Motiv. Engström soll zwar in Palme-kritischen Kreisen verkehrt sein. Petersson hält eine Verschwörung nicht für wahrscheinlich, will sie aber auch nicht komplett ausschließen. Engström hatte auch Kontakt zu einem Mann, der in den Medien als „Waffensammler“ bezeichnet wurde. Das staatliche kriminaltechnische Labor ließ 788 Waffen probeschießen, um Muster mit den am Tatort gefunden Kugeln zu vergleichen. Diese Kugeln sollen allerdings in so schlechtem Zustand sein, dass es wahrscheinlich unmöglich sei, jemals die dazugehörige Waffe zu finden. Bei einer zuletzt in den Medien diskutierten Waffe gab es zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, auch diese jüngsten Untersuchungen sowie ein DNA-Abgleich mit Engströms noch lebenden Verwandten brachte nicht den finalen Beweis.

Wie Melander berichtete, haben bis jetzt 134 Menschen den Mord an Olof Palme gestanden, davon 29 gegenüber der Polizei. Engström war allerdings nicht darunter. Der Journalist Thomas Pettersson war allerdings bereits vor zwei Jahren zu dem Schluss gekommen, dass der „Skandiamann“ wahrscheinlich der Täter war.

Die Pressekonferenz (auf Schwedisch):

Hintergrund dazu:Wird morgen das Rätsel um den Mord an Olof Palme gelöst?

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