Norwegen-Schweden: Ab heute mehr Grenzverkehr möglich

Norwegen/Schweden. Seit Beginn der Coronazeit waren die Grenzen zwischen Schweden und Norwegen nicht so durchlässig wie ab heute. Zum ersten Mal liegt die Virusverbreitung in gleich vier schwedischen Regionen direkt an der Landesgrenze unter Norwegens strengen Kriterien. Somit wird wieder mehr Grenzverkehr möglich. Die norwegische Justizministerin warnt trotzdem davor, jetzt zum Einkaufen nach Schweden zu fahren, berichtete NRK.

Karte Einreise Norwegen

Aktuelle Einreiseregeln Norwegens: Bei gelben Ländern und Regionen ist keine Quarantäne notwendig, aber bei roten. Quelle FHI Norge

Auf der Karte sieht es inzwischen aus, als dürfe schon halb Schweden in Norwegen ohne Quarantäne einreisen. Das trügt natürlich. Die vier nördlichsten Regionen Norrbotten, Västerbotten, Västernorrland und Jämtland sehen zwar groß aus, haben aber gemeinsam nur 900 000 Einwohner – nicht einmal ein Zehntel der schwedischen Gesamtbevölkerung. Auch die anderen vier „gelben“ Regionen sind vergleichsweise klein. Alle Großstadtregionen sind weiter „rot“.

Für die schwedischen Grenzregionen ist möglicherweise ohnehin wichtiger, dass die Norweger kommen dürfen, ohne hinterher in Quarantäne gehen zu müssen. Die schwedischen Grenzregionen haben nämlich sehr gut gelebt von Norwegern, die das unterschiedliche Preisniveau zwischen den Ländern ausnutzten, vor allem im Bereich Süßigkeiten, Tabak und Alkohol. Bis Corona kam.

Freud und Leid des Grenzhandels

Selbst der kleine ICA Riksgränsen, hier Ostern 2019, profitiert von preisbewussten Norwegern.

Da die Leute ja trotzdem essen müssen und trinken wollen, verdienten in der Lockdown-Phase der Pandemie norwegische Läden besser. Schweden hatte zwar immer die Grenzen offen, doch die Norweger hätten nach einem grenzüberschreitenden Einkaufsbummel zuhause in Quarantäne gehen müssen. Norwegen lockert die Reiserestriktionen für die nordischen Nachbarn zurzeit regionsweise.  Grenzkontrollen finden weiter statt. Bei Gotland hatte das wenig Auswirkungen. Als es am 24. Juli in Värmland soweit war, sah das anders aus. Shopping in Schweden wird zwar von manchen in Norwegen verächtlich als „harry-handel“ bezeichnet. Man möge doch lieber die einheimischen Läden unterstützen und außerdem nicht das Virus aus Schweden importieren. Doch die Preisspanne ist groß genug, um solche Ermahnungen zu überhören. Bei den Einkaufszentren in Årjäng und Charlottenberg gab es einen Besucheransturm.

Verärgerte Hüttenbesitzer

Nicht nur preisbewusste Norweger verfolgen aufmerksam die wöchentliche Neufassung der Reiseempfehlungen des Folkhelseinstitutt. Mehr als 12 000 Norweger haben Hütten in Schweden. Aktuell gilt, dass sie ihre Hütte tagsüber aufsuchen dürfen, um dort beispielsweise dringende Reparaturen auszuführen. Dabei dürfen sie nicht einkaufen gehen. Weitergehende Ausnahmeregeln konnten die Hüttenbesitzer bisher nicht durchsetzen. Wer in seiner eigenen Hütte übernachtet, muss danach in Norwegen in Quarantäne, es sei denn, die Region ist gerade „gelb“.  Einigen Hüttenbesitzern reicht es nun: NRK berichtete, sie würden eine Klage anstreben, weil die Beschränkung gegen EFTA-Recht und die vier Freiheiten im europäischen Wirtschaftsraum verstoße. Ein Anwaltsbüro ist bereits eingeschaltet.

Frühere Artikel zu den Grenzen im Norden: Grenzen im Norden: Ein Flickenteppich aus Regeln

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