Musik aus der schwedischen Provinz: das Phänomen Hooja

Gällivare (Schweden). Der Newcomer dieses Sommers auf den schwedischen Festivalbühnen trägt eine orange Fleecejacke, Pelzmütze, Sonnenbrille und Schneemobilmaske. Zu seinen Requisiten gehört eine Motorsäge. Der Mann in Orange nennt sich Hooja, der Kumpel, mit dem er auftritt, Mårdhund. Sie verbreiten einen norrbottnischen Lokalpatriotismus im selbstgeschaffenen Genre Wald-Disco – und kommen damit an.

Hooja

Hooja im typischen Outfit. Screenshot aus dem Video“Där gäddan simmar„.

Über die beiden Männer hinter den Skotermasken ist offiziell nur so viel bekannt: „Zwei Typen aus Gällivare, die gern Musik machen.“ Sie schätzen die Anonymität, wollen sich nicht produzieren, sondern ihre Musik sprechen lassen, wie Hooja in Interviews erklärt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, haben sie inzwischen eine gewaltige Fangemeinde, wie auch der Dagens-Nyheter-Artikel vom Kiruna-Festival schildert.

Das allein erklärt jedoch nicht das Phänomen, dass zwei völlig Unbekannte, die Anfang 2021 ihr erstes Lied „Donkey Kong“ im Internet veröffentlichten, plötzlich ein gefragter Bühnenact sind. Der erste Satz auf Donkey Kong heißt übersetzt: „Dieses Lied geht an die Stockholmer, die eine Daunenjacke tragen, obwohl es nicht kalt ist.“ Damit ist der Ton gesetzt. Auch in „Där gäddan simmar„, (Wo der Hecht schwimmt), bisher das einzige Musikvideo, geht es um das Leben im ländlichen Norrbotten. „Wer will in einem Ameisenhaufen leben?“ Mit gelegentlich eingeworfenen finnischen Brocken trifft Hooja auch gut den Sprachmix, der in Nordschweden nun mal existiert.

Zwischen Klischee und Ironie

Manchmal geht es auch um Gefühle („wir sind Kumpel, du und ich. Wir haben Corona bekommen, als wir aus demselben Glas getrunken haben“ (Polers)), manche Texte sind auch eher allgemein („Geht es gut oder geht es wie immer?“ (Går det bra)). Vor allem geht es aber ziemlich viel um Alkohol, weshalb einige Lieder bei YouTube auch mit Warnhinweisen versehen sind.

Dabei wandelt Hooja stilsicher zwischen Klischee und Ironie. Denn natürlich ist das nicht alles bierernst gemeint. Und das wird zumindest beim heimischen Publikum auch richtig verstanden. Als selbst der schwedische Popkulturexperte Fredrik Strage, Kolumnist bei Dagens Nyheter, seinen Respekt vor Hooja ausdrückte, ließ das den Bekanntheitsgrad der zwei „Typen aus Gällivare“ richtig in die Höhe schießen. Sodass sie nun sogar auf der Bühne stehen.

„Hooja“ hat übrigens eigentlich keine richtige Bedeutung, sondern ist im norrbottnischen Sprachgebrauch eine Art Ausruf, wie zum Beispiel „Uff“.

Hier das Video:

 

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