Regenbogenflaggen zum Besuch von Mike Pence auf Island

Island. Am Mittwoch besuchte US-Vizepräsident Mike Pence Island – als erster Vizepräsident seit George H.W. Bush 1983 und nur ein halbes Jahr nach Verteidigungsminister Mike Pompeo. Gestern waren die Medien noch dabei, die Signale dieses Besuchs aufzuarbeiten.

Höfði

Reykjavíks geschichtsträchtiges Gästehaus Höfði.

Der Zweck des Besuchs war angekündigt: Mike Pence stellte die Bedeutung Islands für die NATO und die USA heraus. Er warnte zudem vor chinesischen Aktivitäten im allgemeinen und vor Huawei im Besonderen. Der Besuch wurde von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet, wie sie in Island ungewöhnlich sind. Dort trägt normalerweise nur eine kleine Spezialeinheit der Polizei überhaupt eine Waffe. Pence wurde im historischen Haus Höfði empfangen, wo schon Reagan und Gorbatschow verhandelten. Es gab diverse Straßensperrungen, und auf den Dächern der Nachbargebäude waren Scharfschützen postiert.

In Höfði traf Pence auf Islands Präsidenten Guðni Th. Jóhannesson und Außenminister Guðlaugur Þór Þórðarson. Letzterer brachte den Wunsch eines Freihandelsabkommens mit den USA vor. Eingeladen war auch Hausherr Dagur Eggertsson, Bürgermeister von Reykjavík, der mit dem Fahrrad kam und deshalb von Pence‘ Sicherheitspersonal zunächst nicht durchgelassen wurde, weil sie ihm nicht glaubten.

Last-Minute-Treffen mit Katrín Jakobsdóttir

Insgesamt war Pence sieben Stunden lang auf Island. Am Ende besichtigte er noch die NATO-Anlagen in Keflavík, von wo aus die Überwachungsflüge auf dem Atlantik geflogen werden, und wo die USA wieder kräftig investieren. In Keflavík traf er auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, die gerade vom Treffen der nordischen Gewerkschaften in Malmö zurückkam, wo Island aktuell den Vorsitz hat.

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Ursprünglich war ein Treffen der beiden nicht vorgesehen gewesen. Nach der weltweit diskutierten Absage Trumps an Dänemark aufgrund des geplatzten Grönland-Deals war aber auch dieses Detail in die internationalen Medien geraten. Katrín Jakobsdóttir hatte stets von Problemen bei der Terminabstimmung gesprochen, doch viele sahen darin auch eine politische Motivation. Dass Pence und die linksgrüne isländische Regierungschefin politisch meilenweit voneinander entfernt sind, ist kein Geheimnis. Nach der internationalen Kritik bemühte sich die Isländerin doch noch darum, Pence zu treffen, was dann kurzfristig auch gelang.

Subtile und weniger subtile Proteste

Nicht nur für die Regierungschefin, auch für breite Teile der Bevölkerung ist der Evangelikale Pence mit seinen extrem konservativen Ansichten so etwas wie ein Kulturschock. Der Mann wurde zwar mit aller Höflichkeit und Gastfreundlichkeit empfangen, doch es gab genügend subtile und weniger subtile Proteste gegen die von im verkörperte politische Haltung.  Der isländische Präsident und seine Frau Eliza Reid trugen beim Empfang Regenbogen-Armbänder, Eliza Reid außerdem einen weißen Hosenanzug, was als Symbol der Frauenrechte-Pionierinnen gilt. Eine Firma mit Sitz direkt neben Höfði ließ vor dem Eingang Regenbogenflaggen wehen. Dasselbe taten auch viele auf einer Demonstration, wobei fraglich ist, ob Pence das mitbekam. Andere forderten dort Islands Austritt aus der NATO. Und Katrín Jakobsdóttir  thematisierte bei ihrem Last-Minute-Treffen laut Medienberichten: Klimaschutz, die Gefahren durch die Aufrüstung der Arktis, die Gleichstellung der Geschlechter und LGBT-Rechte.

Früherer Artikel zum Thema: Was will Trump wirklich von Grönland und Island?

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