Kiruna: „Kristallen“ fertig, Zukunft unsicher

Kiruna (Schweden). Das Personal ist zwar schon im August in Kirunas neues Rathaus gezogen. Doch die offizielle Einweihung des neuen Gebäudes, „Kristallen“ findet erst am kommenden Donnerstag statt – dann kommt König Carl XVI Gustaf nach Kiruna.

Kristallen

Kristallen, Kiruna, März 2018

Keine Baustelle ohne Pannen: Kurz vor dem wichtigen offiziellen Termin meldete Sveriges Radio, im neuen Rathaus müssten Wassereimer aufgestellt werden, weil es tropfe. Ursache sei vermutlich die Anlage, die die Luftfeuchtigkeit im Kunstmuseum regeln soll, das ebenfalls darin untergebracht ist. „Braucht der König einen Schirm?“, fragte die Tageszeitung NSD – Experten sollen das Problem nun schnellstmöglichst lösen. Carl XVI Gustaf und seine Frau Silvia waren übrigens im Januar schon einmal im „Kristallen“. Da mussten sie einen Helm tragen, weil das Haus noch eine Baustelle war. 

Zur Einweihung ist unter anderem auch Krimiautorin Åsa Larsson eingeladen, die aus Kiruna stammt und deren Serie um Anwältin Rebekka Martinsson auch ins Deutsche übersetzt und verfilmt wurde. Orgelvirtuose Gunnar Idenstam, ebenfalls ursprünglich aus Kiruna, wird das Glockenspiel des Uhrenturms mit einem eigens dafür komponierten Stück einweihen. Der Turm stammt vom alten Rathaus – er wurde saniert und vor dem neuen Gebäude platziert. Die erste Ausstellung im Kunstmuseum heißt Transitions, acht Künstler aus dem ganzen Norden zeigen dort neue Werke.

Private Investoren zurückhaltend im „neuen Kiruna“

Scandic Ferrum

Schneefigurenwettbewerb vor dem alten Scandic Ferrum, 2018

Ursache des Umzuges ist bekanntlich, dass der Boden unter dem alten Zentrum von Kiruna nicht mehr sicher ist, seit über das neue Hauptniveau Erz abgebaut wird – der Erzkörper in der Tiefe liegt zu nah an der Stadt. Stück für Stück werden seit 2015 alte Häuser abgerissen und neue gebaut. Auch für eine Reihe Hotels läuft die Zeit ab: Das alte Bahnhofshotel ist bereit weg, das Bolagshotellet kann nicht umgezogen werden und wird abgerissen, und auch das Scandic Ferrum ist bereits von der Bergbaufirma LKAB aufgekauft, aber noch in Betrieb. Für ein neues Stadthotel im neuen Zentrum wurden gerade die Verträge unterzeichnet: Betreiber wird erneut Scandic, Skanska wird es bauen, LKAB Immobilien wird Eigentümer des Gebäudes. Das Haus soll 230 Zimmer bekommen und 2021 das alte Scandic Ferrum ersetzen.

Diese Hotel-Konstellation ist typisch für die Situation im neuen Zentrum von Kiruna: Zwar hatte die Kommune mehrere Viertel im neuen Zentrum auch für private Immobilienfirmen ausgeschrieben. Doch das Interesse daran scheint begrenzt, berichtet SVT:  Von zehn Flächen gibt es aktuell nur drei, für die Vereinbarungen mit privaten Investoren geschlossen wurden. Die meisten wird LKAB als Grundeigentümer selbst bebauen müssen, um das alte Zentrum zu ersetzen. Das gilt auch für die neue Einkaufsstraße, für die nun der Plan steht. Das alte Einkaufsviertel in der Stadtmitte muss bis 2022 umziehen.

Wie viel Erz gibt es noch in Kiruna?

Der staatseigene Bergbauriese LKAB hat allerdings noch andere Sorgen: Wie das Unternehmen vor kurzem bekannt gab, geht der Erzkörper nicht überall so tief, wie man früher annahm. Dafür könnte das Vorkommen sich weiter nördlich ausdehnen. Die ersten Meter eines neuen Schachts, von dem aus man dieses unbekannte Terrain aus erkunden will,  seien bereits freigesprengt, berichtet NSD. Dabei geht um Erz, das nach 2035 abgebaut werden könnte – bis dahin ist man noch mit dem beschäftigt, was vom jetzigen Hauptniveau aus erreicht werden kann.

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