Jetzt wird Kirunas altes Rathaus abgerissen

Kiruna (Schweden). Für Kirunas altes Rathaus steht das letzte Kapitel an: Nachdem innen bereits alles leergeräumt ist, beginnt kommende Woche der Abriss des Gebäudes. Um das neue Rathaus herum wächst inzwischen das neue Zentrum, und auch die zukünftige E10 ist in Arbeit.

Kiruna Rathaus

Das Nebengebäude ist schon weg: Kirunas altes Rathaus vor dem Abriss.

Kirunas Zentrum muss bekanntlich umziehen, weil der Boden darunter aufgrund des Erzabbaus nicht mehr sicher ist. Finanzieren muss dies der Verursacher, die staatliche Bergbaufirma LKAB. Vergangenen Sommer wurde das neue Rathaus „Kristallen“ drei Kilometer weiter östlich bezogen. Dort finden die Bürger einige Elemente ihres alten Rathauses wieder – wie die charakteristischen Türgriffe am Eingang von Esaias Poggats. Die Architekten des Kristallen, das Büro Henning Larsen, haben auch das Prinzip des großen offenen Raumes vom alten „Stadshuset“ übernommen. Obwohl es sich in Form und Material  um völlig anderes Gebäude handelt, ist der erste Eindruck nach dem Betreten deshalb erstaunlich ähnlich.

Sämtliche Vorarbeiten zum Abriss sind nun erledigt, selbst die Fenster sind schon entfernt. Kommende Woche steht nun der endgültige Abriss an, wie LKAB-Projektleiterin Mari Kuokkanen auf Nachfrage mitteilte. Dann ist das Gebäude, das mal zum „schönsten Verwaltungsgebäude Schwedens“ gewählt wurde, Geschichte. Es ist geplant, dass Bürger sich danach einen Ziegelstein als Erinnerung abholen dürfen. Die Fläche wird in einen Park (Gruvstadsparken) umgewandelt, den Kirunas Bewohner noch so lange nutzen können, wie die Bodenbewegungen es zulassen. Zahlreiche Messgeräte sind in der gesamten Zone postiert.

Umzug, Abriss, Neubauten

Neubauten

Gegen die Wohnungsnot in Kiruna: Neubauten am Fuße des Luossavaara. Das grüne Haus rechts gehört dagegen zu den umgezogenen ehemaligen Ingenieursvillen.

Aus dem alten Teil des Gruvstadparken ist der historische Hjalmar Lundbohmgården bereits 2017 an den Fuß des Luossavaara umgezogen. Das mehr als 100 Jahre alte  Bolagshotellet ist gerade abgerissen worden. Es soll als Replik ebenfalls am Fuße des Luossavaara wieder aufgebaut werden – außen detailgetreu, innen nach modernen Baustandards. Neben den umgezogenen historischen Häusern wachsen Neubauten als Ersatz für die abgerissenen Wohnhäuser.

Die E10 nach Narvik führt immer noch durch die Zone, die gerade abgewickelt wird, doch nicht mehr lange. Die neue Trasse führt nördlich an Kiruna vorbei statt wie bisher südlich. Die längste neue Brücke wurde gerade eingesetzt, Ende des Jahres soll die erste Etappe fertig sein, die zweite 2020.

Auf der Suche nach mehr Erz

Gleichzeitig läuft die Suche nach neuem Erz in Kiruna. Denn der Erzkörper reicht nicht überall so tief, wie man früher dachte. Bis 2035 wird noch über das aktuelle Hauptniveau abgebaut. Weil dies zwar tief unten, aber näher an der Stadt liegt als frühere Orte, werden die Schäden erwartet, die das Zentrum zum Umzug zwingen. Wie viel Erz es in Kiruna darüber hinaus noch gibt, wird zurzeit ermittelt. Dafür wird gerade ein Probeort unter der Stadt nach Norden, in Richtung Luossavaara, ausgebaut, von dem aus dann Bohrungen durchgeführt werden sollen. Anfang 2021 soll das Ergebnis vorliegen. Wie Kirunas Zukunft aussieht, wird sich dann zeigen.

Bildergalerie: Das neue Rathaus Kristallen:

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Zum Thema Bergbau siehe auch: Malmberget und Gällivare: Aus zwei mach eins

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