Spitzbergen (Norwegen). Auf Spitzbergen leben aktuell 2904 Personen aus 66 Ländern, meldete das norwegische Statistikamt SSB. Davon haben 1598 die norwegische Staatsbürgerschaft. Ihr Anteil ist gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen. Das Ziel der norwegischen Regierung, Longyearbyen „norwegisch“ zu halten, scheint sich nicht so einfach zu erfüllen. Darüber berichtete auch Svalbardposten.
So verteilt sich die Bevölkerung auf Spitzbergen:
- Die meisten leben in Longyearbyen, einige wenige auch in Ny Ålesund: 2512 Personen sind in diesen beiden „norwegischen“ Orten gemeldet. Der Anteil norwegischer Staatsbürger liegt dabei bei knapp 64 Prozent, wie im Vorjahr. In den vergangenen 12 Monaten sank die Zahl der Einwohner in Longyearbyen: 558 Personen zogen fort, während nur 519 neu dazu kamen.
- 392 Personen sind in der „russischen“ Siedlung Barentsburg oder in Pyramiden gemeldet. Neben russischen Staatsbürgern gibt es dort auch solche aus der Ukraine und Tadschikistan.
Größte Gruppe Ausländer aus Russland, Philippinen und Thailand
Wie das Statistikamt anführt, ist die Zahl der Herkunftsländer in den vergangenen zehn Jahren gestiegen: 2016 waren es „nur“ 48 verschiedene Länder, nun sind es 66. Hintergrund dieser Vielfalt ist der Spitzbergenvertrag, der es für Ausländer leichter macht, sich dort anzusiedeln, sofern sie eine Möglichkeit haben, sich zu versorgen. Die größte Gruppe ausländischer Staatsbürger kommt aus Russland (305), verteilt auf Barentsburg und Longyearbyen, 136 Personen stammen von den Philippinen und 115 aus Thailand.
Hohe Fluktuation
Dass Longyearbyen kein Ort ist wie jeder andere, zeigt sich unter anderem an der Wohndauer: Viele bleiben nur kurz – sei es zum Studium oder für einen Job. Die mittlere Wohnzeit beträgt 3,5 Jahre. Zwölf Prozent der Bevölkerung Longyearbyens lebt allerdings schon seit 15 Jahren dort. Und manche würden gerne dort hinziehen oder bleiben, stoßen aber auf Hindernisse:
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Fehlende Wohnungen: Es ist zwar jüngst neu gebaut worden, aber nach den Lawinenunglücken 2025 und 2027 wurde auch viel abgerissen. Jüngstes Beispiel: Das Restaurant im Kulturhaus kann keinen regulären Betrieb mehr bieten, weil der Betreiber keine Wohnungen für sein Personal findet. Dass inzwischen Leute ihre Wohnungen auch über Airbnb an Touristen vermieten, macht es nicht besser.
- Befristete Jobs: Nach dem Ende der Grube gibt es vor allem Jobs im Tourismus, was ein saisonales Geschäft ist. Auch die Verwaltung ist ein Arbeitgeber, bietet aber nur Zeitverträge an, wie jüngst eine Familie bemängelte.
Zweiklassengesellschaft
Ausländische Staatsbürger bekommen außerdem zunehmend zu spüren, dass sie eigentlich nicht gewollt sind: So wurde ihnen jüngst das ohnehin sehr beschränkte kommunale Wahlrecht entzogen. Es ist auch nicht möglich, durch einen Aufenthalt auf Spitzbergen das Recht auf die norwegische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
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