Grönland: Gericht soll Entschädigung für Experiment-Kinder klären

Grönland. Vor einem Jahr entschuldigte sich die dänische Premierministerin Mette Frederiksen im Namen des Landes bei den grönländischen „Experiment-Kindern“. Diese waren schon sehr jung nach Dänemark gebracht worden und verloren so den Kontakt zu ihren Familien, zu ihrer Sprache und zu ihrer Kultur. Eine finanzielle Entschädigung an die sechs Überlebenden hat das zuständige Ministerium jedoch nun abgelehnt. Darüber berichteten Sermitsiaq und KNR.

Grönland

Grönland. Foto Thomas Christiansen

22 Kinder unter zehn Jahren wurden im Jahr 1951 für ein Jahr nach Dänemark geschickt, um dort Dänisch zu lernen. Sie kehrten auch nicht zu ihren Eltern zurück, sondern lebten später in einem Heim in Grönland, sechs wurden in Dänemark adoptiert. Die Entwurzelung hatte massive Folgen für die Kinder aus dieser Gruppe. Die Hoffnung, sie könnten den Kern einer neuen, dänischsprachigen Elite in Grönland bilden, erfüllte sich nicht.

Die Geschichte wurde erst durch ein Buch einem breiteren Publikum bekannt, inzwischen gibt es auch einen Film dazu. Mette Frederiksen hatte sich im vergangenen Jahr offiziell in einer Rede und mit persönlichen Briefen bei den sechs Überlebenden entschuldigt. Eine finanzielle Entschädigung wurde vom dänischen Sozialministerium jedoch abgelehnt und auf die Gerichte verwiesen. Anwalt Mads Pramming hatte 250 000 dänische Kronen (umgerechnet knapp 34 000 Euro) pro Person verlangt.

Pramming hatte erst vor Kurzem einen Erfolg für eine andere Gruppe erzielt: ehemalige Insassen eines Kinderheims im dänischen Godhavn. Statt einer Hilfe zur Zukunft erwartete  die „Godhavnsdrenge“ dort Misshandlung und sexuelle Übergriffe. Sie erhielten pro Personen 300 000 DKK (gut 40 000 Euro).

Anwalt Pramming will nun auch für die überlebenden grönländischen Experiment-Kinder vor Gericht ziehen.

Früherer Artikel zum Thema: Entschuldigung an grönländische Experiment-Kinder

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