Arbeitskampf in Norwegen: Streik und Aussperrung der Flugtechniker

Norwegen. Nicht nur Urlaubsflüge und Geschäftsreisen, sondern sogar Krankentransporte sind gefährdet, wenn sich nicht bald eine Einigung im Tarifstreit zwischen den norwegischen Flugtechnikern und dem Verband ihrer Arbeitgeber findet. Immer mehr Personal streikt, die Arbeitgeber haben einen Lockout angekündigt. In den Medien wird bereits vermutet, dass die Regierung eingreifen wird und eine Zwangsschlichtung bevorsteht. Darüber berichtete NRK.

Krankenflugzeug, Norwegen

Ohne vorschriftsmäßige Wartung in den vorgeschriebenen Intervallen darf ein Flugzeug nicht mehr starten. Die rund 430 norwegischen Flugtechniker haben damit verhältnismäßig viel Macht, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der Streik läuft etwas anders ab als in Deutschland: Die Gewerkschaft „nimmt Leute heraus“, das heißt, der Arbeitskampf kann dosiert werden. Weil man sich nicht einigen konnte, nahm die Gewerkschaft immer mehr Mitglieder aus den Betrieben heraus. Vom Streik betroffen sind alle norwegischen Fluggesellschaften: SAS, Norwegian und Widerøe. Gestern fielen fast 50 Maschinen aus. Die Arbeitgeber haben nun ab Sonntag, 26. Juni, eine Aussperrung für sämtliche Gewerkschaftsmitglieder angekündigt – selbst die Techniker der von Babcock betriebenen Krankenflüge sollen dann außen vor bleiben.

Krankenflieger in Nordnorwegen besonders wichtig

Letzteres ist besonders kritisch. Krankentransport per Flugzeug ist in Nordnorwegen die einzige Methode, im Notfall Menschen aus abgelegenen Orten rechtzeitig in ein Krankenhaus zu bringen, weil die Entfernungen dort so groß sind.

In Norwegen hat die Regierung  die Möglichkeit, in den Arbeitskampf einzugreifen und eine Zwangsschlichtung herbeizuführen.

Die Flugtechniker fordern eine Erhöhung der Gehälter um 60 Kronen die Stunde, was 17 Prozent entspricht. Sie wollen damit den Beruf attraktiver machen für Nachwuchs. Die Arbeitgeber bieten 3,7 Prozent.

Stand Mittwoch früh haben die beiden Seiten laut NRK zwar wieder Kontakt aufgenommen. Wie schnell das zum Erfolg führt, ist noch unklar.

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