Akureyri beschließt nächtliches Ausgangsverbot für Katzen

Akureyri (Island). Sind freilaufende Katzen auf Island eine Bedrohung der Vogelwelt? Rechtfertigt das, Hauskatzen den Auslauf zu verbieten? Ja, meinte die Mehrheit im Stadtrat von Akureyri im Herbst 2021 und beschloss ein Freilauf-Verbot ab 2025. Dagegen gab es heftige Proteste – und es gründete sich sogar eine Katzenpartei. Kurz vor der Kommunalwahl wurde das Totalverbot  in ein nächtliches Ausgangsverbot umgewandelt. Darüber berichtete RÚV.

Draußenkatze

Freilaufende Katze

Akureyri ist nicht die erste isländische Kommune mit der Idee. Norðurþing mit dem größten Ort Húsavík praktiziert dies bereits seit mehr als zehn Jahren. Die Begründung war und ist, dass freilaufende Katzen massive Schäden in der einheimischen Vogelwelt anrichten können. Halter von Haustieren seien für die Taten ihrer Tiere verantwortlich. Freilaufende Katzen werden eingefangen, von Menschen oder mit Fallen. Dann wird versucht, den Besitzer zu finden. Dieser muss eine Strafe zahlen. Eine Katzenhalterin aus Húsavík sagte zu RÚV, die meisten würden sich bemühen, die Regeln einzuhalten, aber nicht jede Katze sei damit zufrieden. Und es sei stressig, ständig darauf zu achten, dass die Katze nicht hinauskomme, vor allem für Kinder, die Angst hätten, dass ihren Lieblingen etwas passiere. Sie verglich die Situation mit der Geschichte um das Trollweib Grýla, die Kinder frisst und früher zur Einschüchterung des Nachwuchses verwendet wurde.

Katzenpartei gegründet

In Akureyri hatte es ebenfalls eine Mehrheit für das Katzenverbot gegeben. Neben der Sorge um die Vogelwelt gab es offenbar auch Ärger um Katzenkot in Blumenbeeten. Doch die Katzenhalter von Akureyri wollten nicht hinnehmen, dass sie ihre Tiere künftig einsperren müssen – auch wenn das Verbot erst 2025 hätte in Kraft treten sollen. Es gab Proteste, und selbst die isländische Tierarzt-Vereinigung war skeptisch. Es gründete sich sogar eine Katzenpartei, in der die Menschen gemeinsam mit ihren Katzen gelistet waren – und es sah so aus, als würden diese sogar ein Mandat bei den jüngsten Kommunalwahlen erringen können.

Der Stadtrat macht einen halben Rückzieher

Kurz vor der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag reagierte der Stadtrat in Akureyri und machte aus dem Totalverbot ein nächtliches Ausgangsverbot für Katzen von 0 bis 7 Uhr, allerdings schon 2023 beginnend. Dies wird die Einhaltung nicht einfacher machen – Katzen halten sich erfahrungsgemäß nicht an feste Zeiten. Es nahm aber offenbar den Kritikern etwas den Wind aus den Segeln. Von 14 700 Wahlberechtigten entschieden sich nur 373 für die Katzenpartei, was nicht für einen Sitz reichte.

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