100 Rentiere tot: Ursache vermutlich Kupfervergiftung

Herøy (Norwegen). Der Tod von mehr als 100 Rentieren in der Kommune Herøy (Nordland) ohne erkennbaren Grund hatte Eigentümer und Behörden rätseln lassen. Nun scheint die Ursache gefunden: Kupfervergiftung. Die Polizei sucht nun nach der Quelle des Kupfers und bittet auch die Öffentlichkeit um Hilfe. Darüber berichtete NRK.

Rentiere

Rentiere (Symbolbild)

Die Rentierherde von etwa 400 Tieren weidete im Winter und Frühjahr in der Inselkommune Herøy. Doch ab Ende März starben innerhalb weniger Wochen mehr als 100 Rentiere ohne ersichtlichen Grund. Das Veterinärinstitut konnte nach den ersten Untersuchungen eine Reihe von Ursachen ausschließen. Übrig blieb Vergiftung – aber mit was und wie?

„Wahrscheinlich Kupfervergiftung“ meldete nun der Rentier-Gesundheitsdienst des Veterinärinstituts. Darauf deuteten die Funde bei der Obduktion und den Blutanalysen hin. Einige Tiere hätten eine sehr hohe Konzentration von Kupfer in Leber und Niere gehabt, andere weniger. Bei Widerkäuern könne sich das Kupfer jedoch an andere Mineralien binden und ausgeschieden werden – aber trotzdem schon das Verdauungssystem geschädigt haben. Andere Faktoren könnten die Wirkung des Kupfers noch verstärkt haben.

Lecken an Kupferobjekt reicht nicht aus

Was zu dieser Kupferverunreinigung geführt hat, ist noch unklar. Der ermittelnde Tierarzt und Toxikologe des Veterinärinstituts schließt gegenüber NRK aus, dass die Rentiere durch Lecken an festen Objekten aus Kupfer die tödliche Dosis aufgenommen haben könnten. Es müsse sich um konzentriertes Kupfer in löslicher Form, zum Beispiel Kupfersulfat, gehandelt haben. Dieses wird zur Imprägnierung von Holz und als Schutz vor Schädlingen benutzt.

Kühe und Schafe auf der Weide

Die unklare Situation hatte auch Folgen für die örtlichen Landwirte, die diese Flächen im Sommer für ihre Kühe und Schafe nutzen. Mattilsynet, die Behörde, die auch für Tierschutz zuständig ist, riet davon ab, die Flächen zu nutzen. Die Bauern taten es schließlich doch, wie NRK berichtet – weil ihnen sonst keine Futtervorräte für den Winter geblieben wären. Bisher ist kein Tier gestorben.

Die Polizei sucht nun konkret nach der Quelle für das Kupfer, und bittet auch diejenigen um Hilfe, die Informationen dazu haben könnten.

Früherer Artikel zum Thema: Fast 100 Tiere verendet: Rätselhafter Rentiertod in Nordnorwegen

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