Wer bezahlt Kirunas neuen Bahnhof?

Kiruna. Es knirscht wieder mal zwischen den Akteuren auf dem Weg zu einem neuen Stadtzentrum in Kiruna. Die Kommune droht, die Pläne des Bergbauriesen LKAB nicht zu bewilligen, wenn sie keinen Bahnhof im neuen Zentrum bekommt. Das berichtete nun SVT Norrbotten.

Kirunas provisorischer Bahnhof.

Kirunas provisorischer Bahnhof.

Der Hintergrund: Durch die benachbarte Erzmine ist der Boden inzwischen so ausgehöhlt, dass das heutige Zentrum von Kiruna mittelfristig nicht mehr sicher ist (siehe Kiruna). Auch die Gleise und der alte Bahnhof waren dadurch gefährdet. Die Bahnlinie wurde verlegt. Seit 2013 halten die Züge an einer provisorischen Station abgelegen im Nordwesten von Kiruna. Das alte Bahnhofsgebäude wurde im Sommer abgerissen.

Die Kommune möchte ihren zukünftigen Bahnhof im neuen Ortszentrum im Osten der heutigen Stadt haben – und diesen samt der Schienen dorthin sollte eigentlich LKAB bezahlen. Bei LKAB ist man jedoch bisher der Meinung, dass man bereits den provisorischen Bahnhof finanziert hat. Nach dem Verursacherprinzip des schwedischen Bergbaugesetzes muss das Unternehmen für den Stadtumzug zahlen. Das betrifft das neue Rathaus ebenso wie die Entschädigung für Hausbesitzer und Geschäftsleute, deren Eigentum demnächst in der Deformationszone liegt. Der Erzpreis war phasenweise aber niedrig, die notwendigen Gewinne dürften so nicht immer hereinkommen.

Kirunas charakteristischer Uhrenturm (Archivbild)

Kirunas charakteristischer Uhrenturm (Archivbild)

Laut SVT hat sich die Kommune nun ans Wirtschaftsministerium gewandt und die Notwendigkeit für einen Bahnhof direkt im zukünftigen Zentrum unterstrichen. „Wer ihn bezahlt, ist uns egal“, so Kommunalrätin Kristina Zakrisson im Fernsehinterview. Neben dem Bergbau sei der Tourismus das zweite Standbein der Stadt. Man könne nicht auf der einen Seite abreißen, ohne auf der anderen Seite etwas aufzubauen.   Druckmittel der Kommune ist, den Bebauungsplan nicht zu genehmigen, der aus dem Zentrum Industriegebiet macht. Das wäre das Ende des Bergbaus in Kiruna.  Dass es soweit kommt, ist nach dem Aufwand und den Investitionen der vergangenen Jahre allerdings unwahrscheinlich.

Im neuen Stadtzentrum wächst bereits das von LKAB finanzierte neue Rathaus – das alte ist eines der letzten Gebäude nahe der heutigen Sperrzone. Der charakteristische Uhrenturm des preisgekrönten Rathauses wurde im Sommer abgebaut und überholt. Er wird gerade stückweise an seinem neuen Platz aufgestellt. Seit Dienstag ist die Uhr wieder komplett, die ein neues Laufwerk bekommen hat. Ende des Jahres soll der Turm vollständig sein.

 

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