Schweden: Beerenpflückerin von Bär verletzt

Lycksele (Schweden). Die Blaubeeren und Moltebeeren sind reif, und bald auch Preiselbeeren. Aber was tun, wenn man beim Beerenpflücken im Wald von einem Bären überrascht wird? Was für die meisten zum Glück ein theoretisches Szenario bleibt, endete für eine Beerenpflückerin bei Lycksele mit einem Krankenhausaufenthalt. Warum es so ausging, scheint inzwischen geklärt: Die Frau soll zwischen die Bärin und ihr Junges geraten sein. Darüber berichtete unter anderem SVT.

Bär im herbstlichen Wald

Wilder Bär in Finnland. Foto Gunther Lenhardt

Die Bärenattacke fand zwischen Norrbyberg und Gravmark statt, nordwestlich von Lycksele in Västerbotten. Die Frau gehörte zu einer Gruppe von Saisonarbeitskräften für das Beerenunternehmen Polarica. Sie wurde im Wald von der Bärin angegriffen und erlitt laut Medien Wunden durch die Bärenpranken und Bisse. Laut Polarica-Geschäftsführerin Mari Onkamo legte sich die Frau auf den Boden und stellte sich tot. Danach habe die Bärin von ihr abgelassen. Ihr Team half ihr ins Krankenhaus, die Verletzungen sollen schwer, aber nicht lebensgefährlich sein.

Zwischen Bärin und Junges geraten

Laut Onkamo erhalten alle Saisonarbeitskräfte von Polarica eine Einführung in den Umgang mit der nordischen Fauna, und die Frau habe sich entsprechend verhalten. Doch einen solchen Vorfall habe es in den vergangenen 20 Jahren unter den Pflückern für das Unternehmen nicht gegeben, weder in Schweden noch in Finnland. Wie Onkamo berichtet, sei die Frau leider zwischen eine Bärin und ihr Junges geraten. „Ein klassisches Beispiel“, so die Einschätzung des Raubtierverantwortlichen von Västerbotten, Mikael Schneider. Ansonsten seien Bärenangriffe auf Menschen vergleichsweise selten.

Tödliche Bärenangriffe nur im Zusammenhang mit Jagd

Die Website der schwedischen Raubtiervereinigung, die sich für die Existenz einer bestandskräftigen Raubtierpopulation einsetzt, verzeichnet in den vergangenen 125 Jahren nur zwei tödliche Bärenangriffe in Schweden, 2004 und 2007 – beide im Zusammenhang mit einer Jagd und Hunden.

Wie verhalte ich mich, wenn ich im Wald auf einen Bären treffe?

Die Vereinigung gibt auch Tipps zum Umgang mit Bären. Einige wichtige Punkte daraus:

  1. Man sollte sich im Wald nicht lautlos, sondern durchaus geräuschvoll bewegen, eventuell auch reden, singen oder pfeifen. Dann verschwänden die Bären von selbst, da sie normalerweise scheu und nicht am Kontakt mit Menschen interessiert sind. 
  2. Stößt man dennoch auf einen Bären, der einen auch wahrnimmt, sollte man nicht wegrennen, das weckt Spiel- und Jagdinstinkt, sondern sich ruhig rückwärts bewegen und dabei mit ihm reden. Von einem gereizten Bären sollte man sich besonders demütig zurückziehen und ihm nicht( in die Augen schauen. 
  3. Am gefährlichsten sind Bärinnen mit Nachwuchs, Bären, die einen Kadaver nicht im Stich lassen wollen und angeschossene Tiere.
  4. Sich totstellen und dabei seinen Kopf schützen ist die letzte Option, falls der Bär doch angreift. Ein Rucksack schützt dabei effektiv den Rücken.

Eine ausführlichere Liste und Beschreibung der Bären-Körpersprache gibt es hier. 

Achtung: Diese Hinweise gelten für Braunbären, nicht für Eisbären!

Gefahr für Beerenpflücker: Verlaufen

Die größere Gefahr für Beerenpflücker ist, sich im Wald zu verlaufen. Das passiert auch erfahrenen Leuten. Jüngst wurde ein vermisster Mann in den Achzigern bei Jukkasjärvi nach fast 24 Stunden Suchaktion noch lebend gefunden, allerdings so unterkühlt, dass er auf die Intensivstation gebracht werden musste.

Früherer Artikel zum Thema:

Reichlich Moltebeeren: Polizei muss verirrte Beerenpflücker suchen

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