Schweden: Ein Sitz entscheidet die Wahl

Schweden. Die Wähler haben sich entschieden – und Magdalena Andersson eine harte Nuss hinterlassen. Denn die Opposition hat theoretisch eine Mehrheit, aber nur von einem Sitz. Und Anderssons potenzielle Partner sind sich untereinander nicht grün. Aber dieser eine Sitz fehlt eben den bisherigen Regierungspartnern. Damit wurde der Wahlausgang so knapp wie erwartet mit 175 zu 174 Sitzen. (Stand 01 Uhr!)  

Die Hälfte rechts hat einen Sitz Mehrheit über die Hälfte links.

Die erste Prognose nach Schließung der Wahllokale sah noch ganz anders aus. Nach der typischen Wahlerbefragung am Wahltag schien es nämlich, als ob die Opposition einen deutlicheren Wahlsieg erringen würde – sowohl bei SVT als auch bei TV4. Doch die einlaufenden Ergebnisse gaben schließlich jenen recht, die ein knappes Ergebnis vorhergesehen hatte.

Für Andersson ist das auch deshalb kein Grund zur Freude, weil die Sozialdemokraten mit 28 Prozent zwar stärkste Partei sind, was aber eins der schlechtesten ERgebnisse überhaupt für diese ist und ein Rückgang um 2,4 Prozentpunkte. Dass sie dennoch Chancen hat, Premierministerin zu werden, liegt daran, dass alle potenziellen Kooperationspartner ein bisschen zugelegt haben.

  • Keinen Anlass zur Freude haben aber auch die nationalistischen Schwedendemokraten, die entgegen vieler Umfragen nun doch nicht stärker geworden aind als die Moderaten. Stattdessen verloren sie 2,8 Prozentpunkte und wurden mit 17,7 Prozent nur drittstärkste Partei.
  • Noch-Oremierminister Ulf Kristersson kann insofern zufrieden sein, als das seine Partei, die konservativen Moderaten, mit 19,9 Prozent sogar 0,8 Prozentpunkte zulegen konnte, auch wenn es für seinen Block nicht gereicht hat.
  • Grund zum Feiern haben die Liberalen, die teilweise in den Umfragen unter zwei Prozent kagen und jetzt doch deutlich über die Vier-Prozent-Hürde kamen. Das dürften sie Leihstimmen aus den anderen Parteien des rechten Lagers zu verdanken haben, die so hofften, eine Fortsetzung der sogenannten Tidö-Regierung (nach dem Ort, an dem die Zusammenarbeit beschlossen wurde) zu sichern.
  • Theoretisch wären natürlich auch Konstellationen über die Blockgrenzen hinweg möglich, das wäre aber sehr ungewohnt für die Schweden. 

Die Wahlbeteiligung lag bei 80,4 Prozent. Viele hatten schon vorab gewählt. Wie SVT berichtete, gab es in Umeå eine Schlange, sodass diejenigen, die rechtzeitig gekommen waren, noch abstimmen durften, obwohl es schon nach 20 Uhr war. Das letzte Wahllokal schloss dort erst 23.03 Uhr.

 

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