Norwegen am 22. Juli: Gedenken – und Zukunftssorgen

Norwegen. Gestern war der 15. Jahrestag des  Terroranschlags in Oslo und auf Utøya, bei dem der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik insgesamt 77 Menschen tötete. Es gab Gedenkfeiern für die Opfer an vielen Orten des Landes, in Oslo und Tromsø jeweils vor einem neuen  Mahnmal. Doch Überlebende und Hinterbliebene berichten von Drohungen, Hetze und wachsendem Rassismus – und der norwegische Sicherheitsdienst warnt, Breiviks Taten inspirierten heutige Jugendliche. Darüber berichtete auch NRK.

En opprettholdelse, Künstler Matias Faldbakken, Foto Niklas Hart/Koro

Das neue Mahnmal in Oslo, die riesige Installation En opprettholdelse (Eine Aufrechterhaltung) von Matias Faldbakken, steht im Regierungsviertel – dort, wo Breivik vor 15 Jahren eine Bombe detonieren ließ, die acht Menschen tötete. Danach fuhr er bekanntlich weiter zum Tyrifjord und nahm – als Polizist verkleidet – die Fähre nach Utøya, wo die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF ihr Sommerlager hatte. Von den 69 Menschen, die Breivik erschoss, waren viele noch minderjährig. 

Von den Utøya-Opfern waren viele noch minderjährig

Lyden av hjertebank, Künstlerin Marit Ellisiv Landsend. Foto Stadt Tromsø

Die Jugendlichen auf Utøya kamen aus ganz Norwegen. Überlebende und Hinterbliebene, geprägt von dem Anschlag, verteilen sich somit auch über das ganze Land. Sogar fünf Jugendliche aus Spitzbergen hatten an dem Sommerlager teilgenommen. Einer davon, erst 14 Jahre alt, überlebte es nicht.  Für ihn und die anderen Opfer steht ein Gedenkstein vor der Kirche in Longyearbyen. Auch Tromsø hat nun eine eigene Gedenkstätte: Die zentralen Steine für Lyden av hjertebank (Das Geräusch von Herzklopfen) holte Künstlerin Marit Ellisiv Landsend direkt von Utøya.

Niemals schweigen, niemals vergessen – oder?

Nach dem 22. Juli hieß es „Aldri tie, aldri glemme“ (Niemals schweigen, niemals vergessen). Dafür wurde unter anderem das 22.Juli-Zentrum eingerichtet, das nun in neue Räume im Regierungsviertel gezogen ist.  Doch, wie der heutige AUF-Vorsitzende Gaute Skjervø bei seiner Rede sagte: „Es gibt solche, die meinen, der Terrorist habe recht gehabt. Die sich 15 Jahre nach der letzten Kugel wünschen, er hätte mehr getötet“.  Skjervø ist ein Überlebender von Utøya, der sich öffentlich gegen rassistische Äußerungen einsetzte und dafür selbst Hetze und Drohungen bekam. 

PST beobachtet Breivik-Sympathiseure

Auch der norwegische Sicherheitsdienst der Polizei (PST) beobachtet, dass Breiviks Taten heutige Jugendliche zunehmend inspirieren. Nicht nur in Norwegen: Der Attentäter im Münchner Olympia-Einkaufszentrum am 22. Juli 2016 hatte sich ebenfalls von Breivik anregen lassen.  

Anders Behring Breivik hat inzwischen mehrfach den Namen gewechselt und heißt zurzeit Jan Johansen.  Es sitzt im Hochsicherheitsgefängnis in Ringerike. 

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