Bergen – Kirkenes bald ohne Hurtigruten?

Norwegen. Wenn im kommenden Jahr entschieden wird, welche Schiffe ab 2020 die Linie Bergen – Kirkenes bedienen, wird eins wohl nicht mehr dabei sein: die MS Lofoten. Das älteste Schiff der Hurtigruten ist nicht behindertengerecht. Darüber berichtete nun NRK. Das ist aber nicht das einzige, das sich ändern wird. Die gesamte Strecke soll nach einem neuen Modell organisiert werden – und möglicherweise ist die traditionelle Hurtigruten-Reederei dann gar nicht mehr dabei.

MS Lofoten

MS Lofoten

Das norwegische Verkehrsministerium bezuschusst die sogenannte Küstenroute, damit auch tatsächlich alle 34 Häfen täglich angefahren werden. Damit soll nicht nur der Personenverkehr an der Küste gefördert werden, sondern auch der Güterverkehr im hohen Norden, zwischen Tromsø und Kirkenes. Im Winter sind die Straßen manchmal nicht passierbar. Elf Schiffe sind notwendig, um die Strecke in diesem Takt zu bedienen.

Die aktuelle Vereinbarung des Ministeriums mit der Reederei Hurtigruten AS geht noch bis 2019 und kann um ein Jahr verlängert werden.  Danach soll ein neues Modell gelten, bei dem das Ministerium sich mehr Wettbewerb wünscht und gerne auch Geld sparen möchte: Die Küstenroute ist bei der Neuausschreibung in drei Pakete aufgeteilt worden. Eine Reederei, die nicht so viele Schiffe hat, könnte sich auch um ein Paket mit nur drei oder vier Abfahrten bewerben.  Es könnte also so enden, dass die jetzige Reederei, deren Vorgänger die Route seit 125 Jahren bedienen, nur noch wenige oder gar keine Schiffe auf der Strecke betreibt.

Zurzeit prüft die Reederei noch, ob sie sich überhaupt unter diesen Bedingungen bewirbt. Hurtigruten fährt inzwischen auch zu anderen Zielen. Nur vor Gericht wird vermutlich zu klären sein, ob ein eventueller Nachfolger auf der Küstenroute auch den traditionellen Namen Hurtigruten benutzen darf. Diesen hatte sich die Reederei 1995 als Marke schützen lassen.

In den Küstenorten ist die Verunsicherung über die Zukunft groß, denn viele lokale Veranstalter leben von den Kreuzfahrtgästen und arbeiten mit Hurtigruten zusammen.

 MS Lofoten und MS Nordnorge

Begegnung zweier Hurtigruten-Schiffe:
MS Lofoten und MS Nordnorge

Zu den Anforderungen in der Neuausschreibung gehört, dass die Schiffe rollstuhlgerecht gestaltet sein und einen Aufzug besitzen müssen. Dies wäre kein Hindernis für die modernen Hurtigruten-Schiffe – aber für die MS „Lofoten“, die als ältestes Schiff der Flotte diese Route seit 1964 fährt. Ihre Fans lieben sie wegen ihres historischen Charmes und buchen sie gerade deshalb. 2001 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Der rollstuhlgerechte Umbau wäre nicht nur extrem aufwändig. Er würde, wie der Behördenchef gegenüber NRK erklärte, vermutlich auch gar nicht genehmigt werden.

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