Erzzug entgleist: Streckensperrung mit weitreichenden Folgen

Gällivare (Schweden). Vergangenen Sonntag entgleisten 38 Wagen eines Erzzugs bei Gällivare. Die Strecke zwischen Gällivare und Kiruna ist seitdem gesperrt und wird voraussichtlich erst kommenden Mittwoch, 17. November, wieder benutzbar sein. Das hat weitreichende Folgen, auch für Nordnorwegen. Zur Ursache für den Unfall ermittelt auch die schwedische Havariekommission.

Entgleister Erzzug

Entgleister Erzzug bei Gällivare am 7. November 2021. Foto Anders Lindberg/ LKAB

Der betreffende Zug hatte Erz in Form von feinem Sand aus Malmberget geladen und war auf dem Weg nach Narvik, berichtet LKAB-Pressesprecher Anders Lindberg auf Twitter. Insgesamt hatte der Zug 68 Wagons. Der Lokführer blieb unverletzt. Die Aufräumarbeiten und Reparaturen werden dadurch erschwert, dass die Unglücksstelle etwa drei Kilometer von der nächsten Straße entfernt ist. Für die Bagger, die die zerstörten Wagen von der Schiene holten, musste erst ein provisorischer Weg gebahnt werden. Alles, was noch rollen konnte, wurde über die Schiene abgeholt. In der Nacht zu Donnerstag wurden die letzten beschädigten Wagen zur Seite geschoben. Nun kann die Reparatur der Schiene beginnen. Laut SVT sind 300 Meter Gleis zerstört, 800 Meter sollen ausgetauscht werden. Auch die Stromleitung muss repariert werden.

Entgleisung schon im vorigen Jahr

Im Januar 2020 war ein Erzzug an anderer Stelle zwischen Kiruna und Malmberget entgleist. Damals gab es danach einen Bericht von Trafikverket (zuständig unter anderem für den Zustand des Gleises, aber auch für Straßen), der vor einem schlechten Zustand dieses Abschnittes an mehreren Stellen warnte. Daran erinnerte nun Sveriges Radio. Ob es sich auch um die betroffene Stelle handelt, ist unklar. Die Unfallursache entscheidet, wer den riesigen Schaden letztlich bezahlen muss. Trafikverket, wenn es am Gleis lag, oder LKAB, wenn es an den Wagen lag. Vertreter von beiden sind vor Ort, um Spuren zu sichern. Auch die staatliche Havariekommission wird ermitteln und hat Vertreter geschickt.

Bahnanschluss für Nordschweden dank Erz

Narvik Erzbahn

Erzbahn bei der Einfahrt nach Narvik.

Nordschweden verdankt seinen frühen Anschluss an die Bahn den Erzgruben in Kiruna und Malmberget (Gällivare). Bereits 1903 wurde die Strecke zwischen Luleå und Narvik offiziell eingeweiht und zwischen 1915 und 1923 elektrifiziert. Zehn Züge pro Tag bringen Erz meist von Kiruna in den eisfreien Hafen Narvik in Norwegen. Fünf Züge gehen meist aus Malmberget nach Luleå zum Stahlwerk SSAB und in den dortigen Hafen. Die Strecke ist die am schwersten befahrene in ganz Schweden, wobei schwer ganz wörtlich zu nehmen ist: Ein Erzzug samt Loks wiegt 8600 Tonnen. Größtenteils ist die Strecke eingleisig bis auf einige Begegnungsstellen.  LKAB drängt schon lange darauf, sie zweigleisig auszubauen.

Folgen des Unglücks

Das aktuelle Unglück behindert LKABs Lieferungen von Malmberget nach Narvik, auf die Schiffe schon im Hafen warten.  Die Wege Kiruna-Narvik und Malmberget-Luleå sind frei. Die Sperrung behindert aber auch den Personenverkehr auf der Strecke. Zwischen Gällivare und Kiruna, teilweise auch bis Narvik, werden ersatzweise Busse für die Passagiere eingesetzt.

Aufräumen am Gleis

Zwei Bagger räumen auf nach der Entgleisung. Foto Anders Lindberg/ LKAB

Folgen hat das Unglück aber auch für Nordnorwegen. Da Norwegens Bahnnetz bereits in Bodø endet, werden Waren und auch Post mit der Bahn aus Oslo über Schweden nach Narvik geschickt. Wie NRK berichtet, ist der Ersatzweg gar nicht so einfach einzurichten: Die Post für Nordnorwegen muss mit dem Auto von der Bahn in Fauske abgeholt werden. Drei Tunnel an der E 6 nach Norden sind zeitweise wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Und dann ist da noch eine Fähre, deren Einsatz wegen schlechten Wetters immer wieder auf der Kippe steht. Voraussichtlich ab Mittwoch, 17. November, soll das Gleis wieder benutzbar sein.

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