Vaasa (Finnland). Wo testet man den Winter auf einer neuen Eisdriftstation, ohne sich größerem Risiko auszusetzen? Die Crew der Tara Polar Station, optisch eher ein UFO als ein Schiff, hat sich für die nordfinnische Ostseeküste entschieden. Bis zum Jahreswechsel lag sie vor Oulu, dann vor Vaasa. Inzwischen hat sie den Nordostseekanal passiert und ist auf dem Weg nach Cherbourg – zur Vorbereitung auf den ersten echten Einsatz später im Jahr. Darüber berichteten Yle und die Kieler Nachrichten.
Die Tara Polar Station hat schon einen ereignisreichen ersten Sommer hinter sich. Im April 2025 verließ sie die Werft in Cherbourg, wurde in Lorient getauft und machte sich dann auf den Weg in den Norden. Über Tromsø und Longyearbyen erreichte sie zum ersten Mal das Polareis, in Begleitung des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern, und driftete zum ersten Mal. Was Tara vorhat, hat die Polarstern schon hinter sich: die Drift über den polaren Ozean, eingefroren im Eis. Für diesen Zweck ist Tara optimiert: ein ovaler, wulstförmiger Rumpf aus zwei Zentimeter dickem Aluminium, dem pressende Eisschollen nichts anhaben können. Innen befinden sich Labore und Wohnräume. Die Station ist 26 Meter lang und 16 Meter breit und soll 500 Tage autonom unterwegs sein können. Im Sommer sollen 18, im Winter zwölf Personen darauf wohnen und arbeiten können. Eigner der Tara Polar Station ist die private Fondation Tara Océan, gegründet von der französischen Modedesignerin Agnès Troublé (agnès b.). Stiftungszweck ist die Meeresforschung, sie unterhält auch noch ein Segelschiff.
Winter im Ostseeeis vor Finnland
Nun herrschen in der nördlichen Ostsee zwar nicht ganz so harte Bedingungen wie am winterlichen Nordpol, aber Sturm, Temperaturen unter -20 °C und Dunkelheit hatte sie auch zu bieten. Wie Yle berichtet, verbrachte Tara Weihnachten und den Jahreswechsel noch vor Oulu. In der folgenden Kältewelle begann das Eis dort zu wachsen. Und auch wenn das eigentlich optimal für die Tests war, wurde Tara Richtung Vaasa bewegt, um nicht zu lange zu weit im Norden festzustecken. Denn für den Hafen Oulu – und damit für Hilfe durch die großen Eisbrecher – gilt bei dickem Eis eine Mindesttonnage, die Tara nicht erfüllt. Den Januar verbrachte die Station dann vor Vaasa, wo sich ebenfalls das Eis um sie schloss.
Erste Polardrift im kommenden Winter
Es eile, die Arktis zu erforschen, wie sie heute sei, bald sei es zu spät, sagte Romain Troublé, Direktor der Stiftung gegenüber Yle. Im Spätsommer soll die erste Expedition der Tara Polarstation starten. Wie die Polarstern 2019 – und als Pionier weit vor ihnen Fridtjof Nansen mit der Fram – soll das Schiff nördlich Ostsibirien im Eis einfrieren und mit der Strömung Richtung Grönland driften. Insgesamt sind zehn solcher Expeditionen geplant. Doch nun geht es erst einmal zurück in die Werft.
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