Grönland/Dänemark/USA. Grönland ist vorerst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Was bleibt vor Ort von den Tagen des Ausnahmezustands, in denen sich alle Augen auf einen Mann und die Insel in der Arktis richteten? Zunächst einmal eine ungewohnte Präsenz dänischer Soldaten in Nuuk und an anderen Orten. Und heute halten zwei Ministerinnen eine Pressekonferenz: Fürsorge und Wohlbefinden in unsicheren Zeiten.
Noch vor einer Woche konnte niemand sicher vorhersagen, wie das Drama (fürs Erste) enden würde. Schließlich hatte US-Präsident Donald Trump eine Annexion mit Gewalt nicht ausgeschlossen. Dänemark hatte die Zahl seiner Soldaten auf der Insel deutlich erhöht. Dazu waren bekanntlich auch andere Länder angefragt worden und gekommen. Es handelte sich dabei um eine tatsächlich geplante, aber vorverlegte Übung. Wie DR berichtet, hatten die nach Grönland geschickten dänischen Soldaten eine Marschorder, die von den üblichen Manövern abwich: Sie hatten auch für den Kampf geeignete Munition dabei. Der dänische Verteidigungsminister wollte die Angaben zum potenziellen Kampfauftrag nicht kommentieren. Während die meisten ausländischen Soldaten inzwischen wieder abgereist sind, inklusive der deutschen, bleibt die dänische Präsenz weiter verstärkt, genaue Zahlen werden nicht genannt. Es sind „vorübergehende“ militärische Sperrzonen zur Lagerung von Material in Nuuk und Kangerlussuaq eingerichtet worden.
Prepper-Broschüre für den Krisenfall
Die grönländische Regierung hatte die Bevölkerung schließlich offiziell zum „Preppen“ aufgerufen und eine entsprechende Broschüre herausgegeben, wie man für fünf Tage vorsorgt, in denen möglicherweise Strom, Wasser und Internet ausfallen. Zwar heißt es in der Ankündigung: „Die Veröffentlichung der Broschüre mit praktischen und einfachen Ratschlägen für Haushalte ist kein Ausdruck dafür, dass wir eine Krise erwarten“, aber es sei immer gut, vorbereitet zu sein. Die täglich neuen Drohungen des US-Präsidenten lösten bei vielen Einwohnern Ängste aus, und die Demonstrationen in Nuuk und anderen Städten hatten großen Zuspruch.
Rätselraten über Ruttes Versprechungen
Bekanntermaßen hatte Donald Trump am Mittwochabend in Davos ein Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, woraufhin er dann zurück in die USA flog und verkündete, alles erreicht zu haben. Auch die Strafzölle zog er zurück. Was genau Rutte Trump versprochen hat, ist nicht bekannt. Rutte war allerdings über die „roten Linien“ Dänemarks und Grönlands informiert und soll sich daran gehalten haben.
Wie es weitergeht
Am Freitagmorgen traf sich die dänische Premierministerin Mette Frederiksen in Brüssel mit Mark Rutte und flog dann nach Nuuk, wo sie zwei Stunden lang in einem abhörsicheren Raum mit ihrem grönländischen Kollegen Jens-Frederik Nielsen tagte. Details daraus wurden nicht bekannt, es soll um das weitere Vorgehen gegangen sein. Parallel dazu berichtete der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen, dass in Washington die eine Woche zuvor verabredete Arbeitsgruppe zum ersten Mal getagt habe, bestehend aus hochrangigen Vertretern Dänemarks, Grönlands und den USA.
Mehr militärische Präsenz auf Grönland
Nach den bisherigen Äußerungen sieht alles nach einer stärkeren militärischen Präsenz auf Grönland aus, wie auch immer die gestaltet sein wird. Ein Militärabkommen zwischen den USA und Dänemark bezüglich Grönland gibt es bereits, es wurde 1951 geschlossen und 2004 in Igaliku ergänzt.
Vorerst ist das Thema aus den Schlagzeilen verschwunden und beschränkt sich auf KI-erzeugte Memes mit Pinguinen und Eisbären in den sozialen Medien. Aber man muss wohl damit rechnen, dass dies nicht die letzte Runde war. Wie der Spiegel und andere schreiben, gibt es offenbar ein spezielles Interesse US-amerikanischer Tech-Milliardäre an der Insel.
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