Bø i Vesterålen – Norwegens Monaco?

Bø i Vesterålen (Norwegen). Die Kommune Bø auf den Vesterålen hat ein Problem. Sie liegt landschaftlich wunderschön, aber etwas abseits, und Prognosen sagen, dass ihre Einwohnerzahl schrumpfen wird. Vor knapp einem Jahr hat Bø deshalb den kommunalen Anteil der Vermögenssteuer gesenkt – um Reiche und Investoren anzuziehen. Vier Millionäre haben bereits angebissen, darunter auch Skilegende Bjørn Dæhlie. Darüber berichtete NRK.

Hovden, Bø

Richtung Malnesberget bei Hovden, Kommune Bø. Foto Blue Elf/Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Norwegens Antwort auf Monaco“ wurde Bø betitelt, als der Beschluss der Kommune sich Ende 2019 herumsprach. Das Argument des Bürgermeisters Sture Pedersen, dessen konservative Høyre über eine eigene Mehrheit verfügt: Man wolle Leute anziehen, die Arbeitsplätze schaffen. Darüber erhalte die Kommune dann auch wieder mehr Steuereinnahmen. In der Kommunebroschüre wird Bø als ein Ort vorgestellt, an dem man gut leben kann. Zurzeit sind es dort gut 2500 Einwohner. Doch schöne Strände, Angelmöglichkeiten und ein aktives Dorfleben reichen nach bisheriger Einschätzung nicht, um die Abwanderung aufzuhalten. Der nächste regionale Knotenpunkt ist Sortland, 45-60 Minuten mit dem Auto entfernt.

Vermögenssteuer um 0,5 Prozentpunkte gesenkt

Von der Senkung der Vermögenssteuer profitieren logischerweise jene, die viel Vermögen haben. Die norwegische Vermögenssteuer wird erhoben auf Eigentum, Kapital und im Betrieb investiertes Kapital. Je nach Vermögensart gibt es unterschiedliche Rabatte. Die Steuer geht mit aktuell 0,15 Prozent an den Staat (ab einem Nettovermögen von 1,5 Millionen NOK), aber auch die Kommune bekommt einen Teil. Der Richtwert liegt bei 0,7 Prozent. Bø hat ihn nun auf 0,2 Prozent gesenkt.

Vier Millionäre für Bø 

Kirche von Bø

Kirche von Bø, Vesterålen. Foto Blue Elf/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Der ungewöhnliche Schritt der Vesterålen-Kommune wurde und wird heiß diskutiert. Die einen fürchten einen Unterbietungswettbewerb von Kommunen, bei dem am Ende nichts herauskommt außer weniger Steuereinnahmen. Die anderen halten die Senkung der Vermögenssteuer für das falsche Instrument, andere Steuererleichterungen hätten mehr Wirkung. Zunächst einmal wird Bø auf alle Fälle Einnahmen verlieren. Doch zumindest wurde die Kommune mit dem Schritt landesweit bekannt. Und vier Millionäre haben bereits angebissen und Immobilien in Bø erworben. Zuletzt Langlauf-Legende Bjørn Dæhlie, der erst einmal ein Jahr lang ausprobieren und pendeln möchte. Dæhlie veröffentlichte dazu eine Stellungnahme, in der er das norwegische Steuersystem grundsätzlich für gut und gerecht halte – mit Ausnahme der Vermögenssteuer. Das gesparte Geld wolle er in der Region oder direkt in Bø investieren. Und er freue sich darauf, auf den Vesterålen jagen und angeln zu können.

Ob die Rechnung auch für Bø aufgeht, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Frühere Artikel zur Region:

Havfarm – die Mega-Fischzuchtanlage für die Vesterålen

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