Aufruhr um Extra-3-Scherz: US-Flagge in Nuuk kommt schlecht an

Grönland. Wie mache ich mich aktuell in Grönland mit wenigen Mitteln schnellstmöglichst unbeliebt? Davon kann der bayerische Kabarettist Maxi Schaffroth berichten. Als er für die Satiresendung extra 3 eine US-Flagge in Nuuk hissen wollte, wurde er blitzschnell gestoppt. Wie man sich dagegen beliebt machen kann, führte der kanadische Musiker Neil Young vor: Als Entschädigung für den Stress durch Donald Trump können Grönländer seine Musik ein Jahr lang gratis anhören.

Die einzige Flagge, die man in Grönland sehen will: Nach der Extra-3-Aktion wurden vor dem Kulturzentrum demonstrativ grönländische Flagge gehisst. Foto Katuaq

Der kurze Videoclip von Angunnguaq Hammond zeigt, wie eine Person im schwarzen Mantel daran gehindert wird, vor dem Kulturhaus Katuaq in Nuuk die US-Flagge zu hissen. Er fand schnell Verbreitung, unter anderem über das X-Konto der Grönländers Orla Joelsen, der inzwischen mehr als 80 000 Follower hat. Man sieht darauf auch, wie Leute darum herum zusammenströmen. Die Reporterin des dänischen Rundfunks, Cecilie Kallestrup, die sich gerade im Kulturhaus befand, berichtet von dem Aufruhr: „Die Leute riefen und buhten. Ich glaube, er war etwas verschreckt über die Reaktion.“

Bei der Person handelte es sich also um Schaffrath, verkleidet als US-Diplomat und mit amerikanischem Akzent. Später gab er zu, die Situation vor Ort falsch eingeschätzt zu haben. „Ich verstand es sofort, als ich die Reaktionen sah“, so zitiert ihn DR. Es tue ihm sehr leid und er entschuldige sich beim grönländischen Volk. Auch der Sender ARD hat inzwischen gegenüber mehreren Medien eine Erklärung abgegeben. Die Satiresendung hätte sich mit dem Vorgehen der USA kritisch auseinandersetzen wollen, „zu keinem Zeitpunkt sollte während des Drehs der Eindruck entstehen, Ziel der Satire seien Grönländerinnen und Grönländer.“

Bürgermeisterin: „Nicht lustig“

Bürgermeisterin Aavaraq Olsen sah sich veranlasst, eine öffentliche Ermahnung an all die Medienvertreter zu richten, die angesichts der US-Drohungen nach Nuuk gereist sind:  Für die Bürger sei es eine Zeit echter Angst und Unsicherheit. In dieser Situation seien die verwendeten Methoden nicht harmlos. Sie sprach auch konkret die Extra-3-Aktion an:  „Das Hissen einer Flagge an unserem Kulturzentrum, der Flagge der militärischen Supermacht, die seit Wochen militärische Gewalt gegen unser Land andeutet, ist kein Scherz. Das ist nicht lustig. Das hat höchst negative Auswirkungen.“ Viele Familien litten unter Ängsten, Kinder hätten Probleme, die Situation zu verstehen. „Wenn Sie diese Ängste noch verstärken,  um Content, Klicks oder Lacher zu generieren, sind Sie weder mutig noch kreativ. Sie tragen nur zur Not einer ohnehin schon angegriffenen Bevölkerung bei.“

Neil Young bietet Grönländern Musik als Entschädigung an

Wie man es besser macht, hatte kurz zuvor Neil Young demonstriert: Alle, die ein Smartphone mit einem grönländischen Ländercode besitzen, können sich ein Jahr lang kostenlos in sein Archiv einloggen – Musik und Filme, 62 Jahre seines Schaffens. Damit möchte er den Stress durch die Aktionen der „hoffentlich vorübergehenden“ Trump-Regierung lindern.

Früherer Artikel zum Thema:

Grönland: Erste Runde vorbei, zurück zu den KI-Memes

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Grönland, Politik, USA veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert