Norwegische Touristenattraktionen gehören jetzt deutschem Fonds

Norwegen. Vier Perlen des norwegischen Tourismus haben einen neuen Eigner: Die Seilbahnen Fjellheisen in Tromsø und Romsdalsgondolen in Åndalsnes sowie die Bahnen Arctic Train (Ofotbanen, Narvik) und Golden Train (Raumabanen, Åndalsnes) sind an einen Infrastrukturfonds des deutschen Vermögensverwalters DWS Group verkauft worden. Diese sollen unter der Führung des bisherigen Teams weiterentwickelt werden, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. 

Nacht, Blick vom Berg, Lichter einer Stadt

Warten auf Polarlichter in Tromsø – mit der Seilbahn kommt man auch im Dunkeln sicher auf den Berg. Foto Sonja Bendig

Die beiden Bahnen und die beiden Seilbahnen gehörten zuletzt Norwegian Travel, einem 2019 gegründeten Tourismusunternehmen, das nach und nach viele einzelne Betriebe dieser Branche in Norwegen aufgekauft hat – zum Beispiel Fjellheisen 2021. Mehrheitseigner bei Norwegian Travel ist der Private Equity Fonds Longship AS mit Sitz in Oslo. Insgesamt umfasst Norwegian Travel 35 Unternehmen, wobei viele der ursprünglichen Gründer noch immer Anteile halten. Der Fokus liegt auf erlebnisorientierten Angeboten, die unter einem Dach vermarktet werden. Dabei wurde auch kräftig investiert, zum Beispiel in eine neue Bergstation der Seilbahn in Tromsø.

Nutzer werden von dem Wechsel nichts merken

Nun wechseln also vier Publikumsmagneten den Besitzer, wovon die Nutzer voraussichtlich nichts merken werden. Das glaubt jedenfalls Kenneth Enæs-Hansen, Geschäftsführer der Romsdalen AS, die den Golden Train und Romsdalgondolen ab Åndalsnes betreibt, im Gespräch mit NRK. So ist es laut Pressemitteilung geplant: Norwegian Travel, einschließlich des Gondel- und Bahnbetriebs, soll weiterhin vom derzeitigen CEO Kristian Høydal, geleitet werden. Das übrige Geschäft von Norwegian Travel wird abgespalten und soll von Lena Slåtto, derzeit CCO der Gruppe, geleitet werden. Beide Unternehmen werden weiterhin ihren Hauptsitz in Tromsø haben, wobei die gleichen lokalen Teams den täglichen Betrieb leiten werden.

Wachsender, resilienter Nord-Tourismus

Warum interessiert sich ein zur Deutschen Bank gehörender Infrastrukturfonds für norwegische Touristenziele? Die Pressemitteilung zitiert DWS-Partner Walter Manara: Das Touristenvolumen in der Arktis sei in den vergangenen Jahrzehnten ständig gewachsen und habe sich als resilient gegenüber ökonomischen Krisen erwiesen. Zwar verfüge Tromsø schon über einen gut entwickelten Nordlicht-Tourismus, aber es gebe auch noch einiges zu entwickeln und zu verbessern.

„Vertrauen der Investoren in Coolcation-Trend“

Der kommissarische Nordlys-Chefredakteur Magne Storedal kommentiert die Aktion in Nordnorsk Debatt:“Das sagt alles über das Vertrauen der Infrastrukturinvestoren in den „Coolcation“-Trend.“ Er sieht darin die Gefahr, dass Entscheidungen zukünftig nicht mehr vor Ort, sondern in Frankfurt oder London getroffen werden –  geht aber davon aus, dass die beiden Bahnen und die beiden Seilbahnen nicht die einzigen Investitionsobjekte bleiben.

Der Arctic Train in Narvik war vor kurzem in den sozialen Medien sehr präsent – allerdings in einer KI-generierten Variant, die nicht dem dem realen Zug entspricht: Vorsicht vor Fake News: Den Panoramazug gibt es gar nicht   

 

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