Zukunftspläne für Pleite-Grube in Pajala

Pajala. Die Grube in Pajala macht wieder auf – unter einem neuen Besitzer. Diese Nachricht stimmt viele optimistisch in Nordschweden. Diesmal soll alles besser werden. Vorbesitzer Northland Resources hatte nach nur zwei Jahren Betrieb Konkurs anmelden müssen – die größte Pleite jemals  in ganz Schweden.

Pajala

Rathaus von Pajala. Foto Pajala Kommun

Als das kanadische Unternehmen Northland Resources vor gut zehn Jahren begann, in Kaunisvaara in der Kommune Pajala Proben zu nehmen und den Start einer Erzgrube zu planen, war die Hoffnung der örtlichen Bevölkerung groß: Arbeitsplätze! Viele Alternativen gibt es nicht, die Kommune verliert immer mehr Einwohner, die ihr Geld jetzt anderswo verdienen. Zurzeit sind es noch 6200. Ende 2010 kam der erste Spatenstich für die Grube, 2012 wurde das erste Mal gesprengt. Rund 500 Menschen, berichtet SVT in einem Rückblick, hätten damals einen Job gehabt, der an die Grube gekoppelt war.

Doch die ersten finanziellen Probleme kamen nur wenig später. Eine der Ursachen war der stark gesunkene Weltmarktpreis für Erz, unter dem auch stabiler aufgestellte Mitbewerber (siehe Kiruna) litten. Es wurde umstrukturiert, es gab Zuschüsse von neuen Investoren, trotzdem musste im Oktober 2014 der Betrieb eingestellt und im Dezember  Konkurs angemeldet werden. Mit 14 Milliarden Kronen Schulden (rund 1,4 Milliarden Euro) gilt dies als der größte Firmencrash in der Geschichte Schwedens.

Schuldenfreier Neustart

Warum soll es nun diesmal besser klappen? Anders Sundström, Aufsichtsratsvorsitzender des neuen Unternehmens Kaunis Iron, hat dies in diversen Interviews erklärt: Hinter Kaunis Iron stehen etwa 80 schwedische Geschäftsleute, die Geld bereit gestellt haben. Die praktisch betriebsbereite Grube inklusive Anreicherungswerk und Güterwaggons bekam man vom Konkursverwalter zum Spottpreis – 100 Millionen Kronen, etwa 10 Millionen Euro. Der Start ist zum Sommer 2018 geplant.

Hafen Narvik

Auch das Erz aus Pajala wird von Narvik aus verschifft.

Northland Resources hatte die Grube mit fremden Finanzmitteln aufgebaut. Der neue Betreiber startet schuldenfrei. Doch er will auch vorsichtiger sein, was den Umfang der finanziellen Verpflichtungen betrifft Angekündigt ist, nur 30-40 Leute selbst anstellen zu wollen. Der Großteil der Arbeit soll über die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer erledigt werden.

Der Journalist Arne Müller, der den Fall Pajala für sein 2015 erschienenes Buch Norrlandsparadoxen besonders unter die Lupe genommen hat, warnt im Fernsehinterview mit SVT vor zu hohen Erwartungen an das Projekt. Die Kommune werde aufgrund des Subunternehmer-Modells möglicherweise nicht viel davon profitieren.

Manche Dinge ändern sich auch unter der neuen Führung nicht: Die Einnahmenseite ist vom Weltmarkt abhängig. Schwedens staatlicher Bergbaukonzern LKAB konnte in diesem Jahr gute Gewinne machen. Doch so hoch wie zu Jahresbeginn ist der Preis nicht mehr.

Das Transportproblem bleibt

Es bleibt außerdem das Transportproblem, auf das Müller in seinem Buch  ausführlich eingeht. LKAB transportiert sein Erz aus Malmberget, Svappavaara und Kiruna per Bahn nach Luleå und vor allem nach Narvik, wo es dann auf Schiffe verladen wird.

Erzbahn

Erzbahn Luleå – Narvik und die finnische Alternative.
Karte mit Hilfe von stepmap

Von der Grube in Kaunisvaara (Pajala) aus muss das Erz erst einmal mit 90-Tonnen-LKW rund 150 Kilometer bis zur Erzbahn-Verladestation bei Svappavaara gefahren werden – ein aufwendiger, teurer und wenig umweltfreundlicher Weg, wobei die vorhandenen Straßen zu Beginn auch nicht für eine Last dieser Größenordnung ausgelegt waren. Auf der Schiene geht es dann weiter nach Narvik.

Müller erinnert in seinem Buch daran, dass es auch eine Alternative gegeben hatte: Im finnischen Kolari, von Pajala aus nur auf der anderen Seite des Flusses Muonio, gibt es eine Bahn, mit der man das Erz zum Ostseehafen Kemi hätte transportieren können.  Zu Beginn war noch geplant gewesen, das Erz in einer Pipeline dorthin zu transportieren und zu verladen. Doch dann entschied man sich  für den eisfreien Atlantikhafen Narvik und die LKW.

Zurzeit überwiegt in Pajala die Freude und die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze und damit auch eine bessere Zukunft für Pajala. Nicht ganz vergessen sind aber die Nebenwirkungen eines Grubenbetriebs: So wurde für der Erzabbau der Grundwasserspiegel stärker  gesenkt als angekündigt, mit Auswirkungen auf ein nahes geschütztes Moor. Insgesamt gab es vier Anzeigen wegen Verdachts auf Straftaten gegen die Umwelt gegen Northland Ressources, die aber alle fallen gelassen wurden, berichtet natursidan.se. Kritisch sind laut SVT auch die Rentierhalter der Samenkooperative der Region. Sie hatten für die Mine bereits Weideland geopfert.

Eine Entscheidung in Schwedens heftigsten Streit gegen eine neue Grube, in Kallak bei Jokkmokk, (siehe Sápmi) steht noch aus.

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