Warten auf die Rückkehr des Ostseewassers

275 Kubikkilometer Wasser aus der Ostsee, so hat es das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde ausgerechnet, sind einfach weg. Weggedrückt Richtung Nordsee durch die Hochdrucklage der vergangenen Wochen dort. Noch immer verzeichnen Anrainer östlich von Rügen Wasserstände, die bis zu 70 Zentimeter unter den mittleren Werten liegen. Das hat Folgen für die Schifffahrt, ermöglichte aber auch seltene Anblicke: Im Zentrum von Stockholm, vor Kastellholmen, kann man nun das Wrack sehen, das dort im 17. Jahrhundert versenkt wurde

Der Wasserstand um diese alten Dalben vor Piteå war höher, als sich das Eis legte. Dann sank es darum herum ab.

Der „Wassermangel“ sorgt zusätzlich zum Eis für Probleme bei der lokalen Schifffahrt: Teilweise müssen Fähren eingestellt werden, entweder, weil es zu flach geworden ist für sie, oder weil sie nicht mehr an die Anleger passen, zum Beispiel in Estland oder im Schärengarten von Stockholm. Frachtschiffe müssen berechnen, ob sie einzelne Häfen überhaupt noch mit voller Ladung anlaufen können. 

Am tiefsten sank das Wasser am 6. Februar im Finnischen Meerbusen, mit 99 Zentimentern unter dem Normalwert in Hamina (Fredrikshamn) und -93,5 in Helsinki. Der Wasserstand in Helsinki werde seit 1904 gemessen, und noch nie sei es dort so tief gesunken, schreibt der finnische Meteorologe Mika Rantanen. Heute wird noch einmal ein neuer Tiefpunkt von -76 Zentimetern erwartet, bis es dann wieder  aufwärts geht. 

Auch in der nördlichen Ostsee niedrige Wasserstände

Am nördlichen Ende der Ostsee traf der Tiefpunkt zwei Tage später ein, am 8. Februar, als beispielsweise in Kemi -87 Zentimeter und in Kalix-Storön -79 Zentimeter gemessen wurden. Die schwedischen und finnischen Stationen im Bottnischen Meerbusen und in der Bottenwiek zeigten gestern Abend noch Werte von -60 bis -70 Zentimetern.

Hoffnung auf sauerstoffreiches Nordseewasser

Während der niedrige Wasserstand für die Schifffahrt ein Problem sein kann, haben viele Wissenschaftler die Hoffnung, dass die Situation zu einer positiven Veränderung in der Ostsee führt. Denn wenn die Wetterlage sich einmal ändert und Westwind das Wasser zurücktreibt, bringt er hoffentlich viel kaltes, sauerstoffreiches, salziges Nordseewasser mit, das in den sauerstoffarmen Tiefen der zentralen Ostsee dringend gebraucht wird.

Mehr zum Thema Ostsee: Eis auf der Ostsee: Alle Eisbrecher werden gebraucht

Dieser Beitrag wurde unter Finnland, Klima, Meer, Schweden, Verkehr, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert