Januar 2026: Nuuk so warm wie Kopenhagen

Grönland. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen und die grönländische Hauptstadt Nuuk hatten im Januar 2026 beide Durchschnittstemperaturen um den Gefrierpunkt – für erstere ungewöhnlich kalt, für letztere so warm wie noch nie. Für dänische Meteorologen im Prinzip durchaus ein bekanntes Phänomen: Sie nennen es die „Temperaturwippe“ – im Winter landen Dänemark und Grönland oft in gegensätzlichen Wettersystemen. Einen so warmen Januar an Grönlands Westküste gab es allerdings bisher nicht. Darüber berichteten Sermitsiaq und DMI.

Schematische Darstellung der „Temperaturwippe“ und der Rossbywellen. Quelle DMI

Die Temperaturen in Nuuk auf 64° 10′ Nord lagen im Januar oft deutlich im Plusbereich, am 4. Januar sogar bei 11,3°C.  Die Durchschnittstemperatur in Nuuk für Januar aus der Referenzperiode 1991-2020 liegt bei -7,7 °C, der Januar 2026 je nach Quelle -0,2 °C (Artikel) oder +0,1°C (Archiv). Doch nicht nur in Nuuk fiel der Monat wärmer aus, sondern an der gesamten Westküste. „Ich habe noch nie so viele Wärmerekorde auf einmal erlebt. Das ist sehr bemerkenswert“, zitiert Sermitsiaq die zuständige Meteorologin des dänischen Wetterdienstes DMI, Caroline Drost Jensen. In Ilulissat auf 69° 13′ Nord endete der Januar 2026 mit einer Durchschnittstemperatur von -1,6°C. Der Durchschnittswert aus der Referenzperiode beträgt -12,6°C.  Für Kangerlussuaq lagen die entsprechenden Werte bei -5,8°C (Januar 2026) und -18,5°C (Januar 1991-2020). 

Zu wenig Schnee für den Skibetrieb in Nuuk

Auffällig für den Januar in Nuuk ist auch, dass so wenig Schnee liegt, dass es nicht für einen Skibetrieb reicht. Dieses Schicksal teilt Nuuk mit Island: Nach dem frühen Schneerekord, der längst weggetaut ist, kam einfach nichts mehr runter. 

Die zwei Seiten der Rossby-Welle

Die „Temperaturwippe“ zwischen Grönland und Dänemark (plus Nordwesteuropa) erklärt DMI-Meteorologe Mikael Scharling mit den Rossby-Wellen – dabei handelt es sich um dir Ausbuchtungen im Polarwirbel, die auf der einen Seite kalte Polarluft weit in den Süden bringen und auf der anderen Seite warme Luft bis hoch in den Norden lassen. Die Faktoren zur Entwicklung des Polarwirbels sind dabei noch einmal ein Kapitel für sich. 

Summit-Station 2025 so warm wie noch nie

Der warme Januar folgt auf einen Dezember, in dem bereits alle Messstationen über dem Referenzwert lagen, und auf ein Jahr, in dem ebenfalls fast alle Messstationen darüber lagen. DMI weist hier besonders auf die Entwicklung der Summit-Station hin: Die Station auf 3210 Meter Höhe auf dem grönländischen Inlandeis hatte im Dezember eine Durchschnittstemperatur von -30,9 °C, was zwar sehr kalt klingt, aber  8,1 °C wärmer ist als der Referenzwert aus 1991-2020. Der Jahresdurchschnitt  2025 bei Summit Station betrug -23,6 °C, 4,9 °C mehr als 1991-2020 und so hoch wie noch nie. 

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