Vor 100 Jahren: Mit dem Luftschiff zum Nordpol

Norwegen. Das Luftschiff „Norge“ brauchte im Mai 1926 72 Stunden, um von Ny Ålesund auf Spitzbergen nach Teller in Alaska zu fliegen. Am 12. Mai überquerte es dabei den Nordpol. Polarforscher Roald Amundsen, Luftschiffkonstrukteur Umberto Nobile, Finanzier Lincoln Ellsworth und ihre Crew waren vermutlich die Ersten, diesen Punkt erreichten. An diese erfolgreiche Fahrt erinnern in Vadsø und Ny Ålesund noch die Masten, an denen das Luftschiff festgemacht war. Vor kurzem wurde auch dem Mast in Vadsø nun unter Denkmalschutz gestellt.

Das Luftschiff „Norge“ auf Zwischenstation in Vadsø. Foto Jakob Lauritz Smith Bredrup/Finnmark fylkesbibliotek

Vor den Luftfahrern hatten sowohl Robert Peary als auch Frederick Cook behauptet, den Nordpol auf Skiern erreicht zu haben – Peary 1909, Cook 1908. Das war damals schwer zu beweisen, und es ist nicht sicher, ob es einem von ihnen wirklich gelungen ist. Kurz vor der „Nobile“ wollten außerdem Richard Evelyn Byrd und Floyd Bennett den Nordpol mit einer dreimotorigen Fokker überquert haben, ebenfalls von Spitzbergen aus. Auch das ließ sich nicht beweisen, wurde schon damals angezweifelt und man geht heute davon aus, dass es nicht stimmte.

Navigation mit Radiopeilung

Ein Problem der Nordpolfahrer war, den Punkt überhaupt zu finden und zu identifizieren. Magnetkompasse waren dabei aufgrunde der Nähe zum magnetischen Pol keine Hilfe. Die „Norge“ hatte Instrumente zur Radiopeilung an Bord und konnte auch einen Funkspruch vom Nordpol senden. Am Ziel wurden die norwegische, die italienische und die US-Flagge hinab aufs Eis gelassen. Bei der Weiterfahrt gab es dann Probleme mit der Navigationstechnik, aber sie erreichten immerhin Teller in Alaska wohlbehalten.

Unglücke

Der Mast in Vadsø, an dem erst „Norge“, dann „Italia“ festmachten. Foto Chand Deep Kardey, Finnmark fylkeskommune

Zwei Jahr später versuchte Nobile es bekanntlich noch einmal ohne Amundsen mit dem Luftschiff „Italia“, erreichte den Pol, verunglückte aber auf dem Rückweg. Ein Teil der Mannschaft, inklusive Nobile, konnte gerettet werden, von sieben Personen fehlt aber jede Spur. Amundsen hatte sich an der Rettungsaktion mit einem Flugboot beteiligt, das jedoch ebenfalls verunglückte. Amundsen und die fünfköpfige Flugzeugbesatzung wurden nie gefunden, allerdings Trümmer des Flugzeugs. Dies verdeutlicht, wie risikoreich Flüge in der Arktis damals waren.

Erinnerung an die Luftschiffe

An die Polfahrt mit Luftschiffen erinnern heute noch die  Masten in Vadsø und Ny Ålesund, an denen die „Norge“ 1926 und die „Italia“ 1928 befestigt wurden. Während der in Ny Ålesund schon länger unter Denkmalschutz steht, wurde der in Vadsø , der letzten Zwischenstation  auf dem Weg nach Spitzbergen, erst kurz vor dem Jubiläum unter Schutz gestellt. 

Nordpolfahrt heute:

Eisbrecher Polarstern: Durch dünnes Eis zügig zum Nordpol

Dieser Beitrag wurde unter Arktis, Geschichte, Himmel, Meer, Norwegen, Spitzbergen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert